Scheitert Trumps Renovierung?Schlimmer als vorher: Algen kommen mit voller Wucht in Reflecting Pool zurück

Algen sorgen bei einem Wahrzeichen der US-Hauptstadt immer wieder für Ärger: Der Reflecting Pool erinnert teilweise an einen Tümpel. Präsident Trump verspricht pünktlich zur Unabhängigkeitsfeier neuen Glanz. Millionen Dollar später scheint das Algenproblem sogar noch größer zu sein als vorher.
Wenige Tage nach Abschluss der rund 14,2 Millionen Dollar (12,3 Millionen Euro) teuren Renovierung eines beliebten Wasserbeckens in der US-Hauptstadt haben sich im sogenannten Reflecting Pool in Washington offenbar mehr Algen verbreitet als zu dieser Jahreszeit in den vergangenen fünf Jahren. Zu dieser Einschätzung kommt die "Washington Post" nach einer Analyse von Satellitenbildern.
US-Präsident Donald Trump hatte im April versprochen, das von ihm als "schmutzig" und "widerlich" bezeichnete Wasser in dem Becken zu säubern, nach einem neuen Anstrich in "amerikanischem Flaggenblau" sollte der Pool wieder glänzen. Bei der Neubefüllung des Pools lobte der Republikaner am 4. Juni noch das "saubere, wunderschöne Wasser".
Die von der "Washington Post" in Auftrag gegebene Analyse einer Wissenschaftlerin der University of Virginia ergab jedoch, dass schon in der Woche nach der Wiedereröffnung mehr Algen im Reflecting Pool zu erkennen waren als auf allen Satellitenbildern aus dem Monat Juni seit dem Jahr 2021, wie die Zeitung schreibt. Der Algengehalt gehörte demnach zu den höchsten, der in den vergangenen zwei Jahren in einem Monat gemessen wurde.
Besonders brisant ist die vermeintliche Geldverschwendung, weil US-Medien berichteten, dass die Regierung die Aufträge für die Renovierungsarbeiten ohne Ausschreibung an ausgewählte Unternehmen vergeben habe. Die Regierung begründete dies mit Zeitdruck vor den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten. Trump wollte unbedingt, dass das Wasserbecken pünktlich zum 4. Juli in neuem Glanz strahlt.
Wasserstoffperoxid soll Abhilfe schaffen
Der Zeitpunkt der Renovierung war für die US-Regierung ungünstig: Heißes und sonniges Wetter schafft dem Bericht zufolge Bedingungen, unter denen pflanzenähnliche Wasserorganismen gedeihen. Als der Pool Anfang Juni wieder befüllt wurde, habe im Raum Washington eine Hitzewelle geherrscht, auch aktuell sei es heiß und sonnig.
Der Pool gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der US-Hauptstadt. Das rund 600 Meter lange Wasserbecken liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument. Es bildete auch die Kulisse, vor der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. 1963 seine berühmte Rede "I Have a Dream" hielt.
Anfang dieser Woche war die Rückkehr der Algen auch mit bloßem Auge nicht mehr zu übersehen: Bilder und Videos zeigten einen Reflecting Pool, dessen Wasser teilweise eher an einen Tümpel erinnerte. Am Dienstagmittag habe sich die Gegend um das Wasserbecken mit Sommertouristen und einigen Einheimischen gefüllt, schreibt die "Washington Post". Diese waren gekommen, um zu sehen, wie grün der Pool geworden ist. Ein Radfahrer habe im Vorbeifahren gerufen: "Das ist jetzt die größte Touristenattraktion."
Der National Park Service bekämpfte die Algen in dieser Woche unter Hochdruck, unter anderem wurde Wasserstoffperoxid in das Becken gekippt. Das US-Innenministerium erklärte am Dienstag, die Algen seien bereits abgestorben und würden derzeit abgesaugt. Ursache seien Rückstände in Leitungen, die während der Bauarbeiten stillgestanden hätten. Dies sei seit Jahrzehnten ein wiederkehrendes Problem.
Das Gewässer ist vergleichsweise flach, liegt in der prallen Sonne und erwärmt sich im Sommer stark. Bereits nach einer früheren Generalüberholung waren binnen weniger Wochen erneut Algen aufgetreten. Ein neues Wasseraufbereitungssystem soll das Becken künftig algenfrei halten. Die neue, dunklere Farbe am Beckenboden könnte jedoch die Wassertemperatur erhöhen und das Algenproblem somit verschlimmern. Es bleibt abzuwarten, ob der Reflecting Pool am 4. Juli tatsächlich sauberer aussieht als vor den Renovierungsarbeiten.