Renovierung dauert acht JahreSteinmeier muss ausziehen - Bellevue soll für 601 Millionen verjüngt werden

Es regnet rein, die Fassade bröckelt und die Technik ist alt: Der Amtssitz des Bundespräsidenten muss saniert werden. Das mehrjährige Unterfangen hat für das nächste Staatsoberhaupt zur Folge, dass es vielleicht nie im Schloss Bellevue residieren wird.
Die anstehende Grundsanierung des Berliner Amtssitzes des Bundespräsidenten soll mindestens 601 Millionen Euro kosten. Die Summe verteile sich auf mehrere Baustellen, teilt das Bundespräsidialamt mit. "Es soll hier keine Luxussanierung sein, sondern das Notwendige muss gemacht werden", betonte die Staatssekretärin im Bundespräsidialamt, Dörte Dinger. Manche ursprünglichen Überlegungen wie der Bau eines Pressezentrums oder das Aufstocken des Bundespräsidialamts um eine Etage seien fallengelassen worden. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium, Sören Bartol, nannte die Sanierung "unumgänglich".
Von der Gesamtsumme gehen 146 Millionen Euro für die Arbeiten am 1785 gebauten und unter Denkmalschutz stehenden Schloss Bellevue drauf, weitere 120 Millionen Euro für die Sanierung des dazugehörigen Verwaltungsbaus. Dort sind die rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untergebracht. Beide Gebäude sollen künftig klimaneutral betrieben werden. Der Neubau der Hauptwache und der Technikzentrale sollen 163 Millionen Euro kosten. Die Maßnahmen zum Erhalt der denkmalgeschützten Parkanlagen und die Erneuerung der technischen Infrastruktur belaufen sich auf 162 Millionen Euro. In Summe sind das 601 Millionen Euro.
Bis der Amtssitz wieder in neuem Glanz erstrahlt und alle Arbeiten abgeschlossen sind, werden laut Bundespräsidialamt acht Jahre vergehen. Damit muss, wer immer im März 2027 die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier antritt, die fünfjährige Amtszeit in einem Ausweichquartier verbringen. Dieses ist bereits fast fertig. Sollte es nicht zu einer zweiten Amtszeit kommen, wird die Person nie ins Schloss Bellevue einziehen.
Zur Absicherung des Projekts veranschlagt das Bundespräsidialamt eine Reserve von 188 Millionen Euro und 71 Millionen Euro für eventuelle Steigerungen beim Baupreis. Das macht insgesamt 860 Millionen Euro, die die Verjüngung des Amtssitzes den Staat kosten könnte.
Wegen zu vieler Bauschäden und höheren Standards für Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit ist die Sanierung notwendig. Beispielsweise ist das Dach undicht, die Lüftungsanlage funktioniert nicht mehr richtig, die Fenster sind nicht einbruchs- und schusssicher, an der Fassade zeigen sich Risse und die Decken sind angegriffen. Schloss Bellevue wurde zuletzt 2004/2005 teilweise saniert. Wegen der Zeitvorgabe von 20 Monaten konnten damals aber wichtige Baumaßnahmen nicht verwirklicht werden.
Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedeutet dies alles: Er muss im Sommer von Schloss Bellevue in den nicht weit entfernten Ausweichbau umziehen. Dies sollte eigentlich bereits jetzt im März geschehen. Doch der sechsgeschossige Bau mit Büros in Holzmodulbauweise wurde nicht rechtzeitig fertig. Ursprüngliche Überlegungen sahen sogar vor, dass Steinmeier bereits zur Mitte seiner zweiten Amtszeit Schloss Bellevue verlässt, um sich mit seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger die Last zu teilen. Das wäre vor eineinhalb Jahren gewesen.
Privat ist Steinmeier nicht von dem erzwungenen Umzug betroffen. Er wohnt mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem. Der einzige Bundespräsident, der auch im Schloss Bellevue wohnte, war Roman Herzog in seiner Amtszeit von 1994 bis 1999.