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Mindestens 140 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt.
Mindestens 140 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt.(Foto: REUTERS)
Samstag, 27. Januar 2018

Mindestens 95 Menschen sterben: Schwerer Taliban-Anschlag erschüttert Kabul

Es ist der zweite schwere Anschlag in Kabul in nur einer Woche: Vor dem alten Innenministerium sprengt sich ein Selbstmordattentäter der Taliban in die Luft - mit verheerenden Folgen. Denn der Attentäter sitzt in einem Rettungswagen voller Sprengstoff.

Bei einem schweren Anschlag sind im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 95 Menschen getötet worden. 151 wurden verletzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der Anschlag wurde laut Innenministerium von einem Selbstmordattentäter verübt, der seinen Sprengsatz in einem Rettungswagen versteckt hatte.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich bereits zu der Attacke. In einer über Twitter veröffentlichten Botschaft hieß es, ein Selbstmordattentäter habe sich an einem Sicherheitsposten vor dem alten Ministerium des Inneren in die Luft gesprengt. Mehr als 80 Polizisten seien getötet und verletzt worden. Die meisten Funktionen des Ministeriums waren vor einigen Monaten in ein neues Haus gezogen, der alte Komplex wird aber noch genutzt. 

Der Leiter der italienischen Hilfsorganisation Emergency, die eine Klinik für Kriegsverletzungen betreibt, schrieb auf Twitter: "Es ist ein Massaker." Emergency hat demnach mehr als 50 Verletzte bei sich. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, der Selbstmordattentäter habe eine Ambulanz gefahren, sei durch den ersten Sicherheitsposten in der schwer bewachten Straße gekommen, aber an dem zweiten erkannt worden. Daraufhin habe er den mit Sprengstoff vollgepackten Wagen in die Luft gejagt. 

In der Nähe befinden sich auch die Gesandtschaft der Europäischen Union, mehrere Botschaften, darunter die von Schweden, Indien und Indonesien, ein Gebäude des afghanischen Geheimdienstes und weitere Regierungsgebäude. Auf Bildern war eine hohe Rauchwolke zu sehen, die über dem Zentrum aufstieg. Die Explosion sei in der ganzen Stadt zu spüren gewesen, hieß es bei Tolo News. Ein Augenzeuge berichtete auf Twitter von "dem lautesten Knall, den ich je gehört habe".

Hilferuf auf Facebook

Die Straße, in der sich der Anschlag ereignete, wird von beiden Seiten mit mindestens zwei Sicherheitsposten geschützt; Fußgänger dürfen nur selten tief hinein. Aber nahe dem südlichen Ende, an dem die Explosion geschah, liegt der verkehrsverstopfte Sedarat-Platz mit vielen Geschäften.

Dort liegt auch das große Jamhuriat-Krankenhaus. Ein Doktor der Klinik veröffentlichte auf seiner Facebookseite einen Hilferuf: "Wir brauchen Blut. Ärzte und Zivilisten verletzt." Etwas weiter entfernt - auf der anderen Seite des Sedarat-Platzes - liegt hinter hohen Sprengschutzwänden das heute nur noch selten genutzte Hauptbüro der staatlichen deutschen Entwicklungshilfsorganisation GIZ. Ob GIZ-Mitarbeiter oder Mitarbeiter von Botschaften beim jüngsten Anschlag zu Schaden kamen, ist noch unklar. 

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat, mehr als 500 Menschen kamen ums Leben. Am vergangenen Samstagabend hatten Taliban das Hotel Intercontinental angegriffen und mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin.

Quelle: n-tv.de