Politik

Kampf gegen Corona-Mutationen Seehofer will Flugverkehr massiv einschränken

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Sehen die Abflug-Anzeigen an den Flughäfen bald noch leerer aus?

(Foto: dpa)

Die weltweite Ausbreitung der Coronavirus-Mutanten besorgt auch die Bundesregierung. Sie ist deshalb offenbar bestrebt, den Reiseverkehr weiter einzuschränken. Innenminister Seehofer plant dazu Grenzkontrollen, aber auch eine massive Reduzierung des Flugverkehrs.

Bundesinnenminister Horst Seehofer will zur Bekämpfung der Corona-Pandemie den Flugverkehr nach Deutschland massiv einschränken und außerdem schärfere Grenzkontrollen einleiten. "Die Gefährdung, die von den zahlreichen Virusmutationen ausgeht, verlangt von uns, dass wir auch drastische Maßnahmen prüfen und in der Bundesregierung diskutieren", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

"Dazu gehören deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu Null, so wie Israel das derzeit auch macht, um die Einschleppung der Virusmutation zu verhindern", so Seehofer.

Die Menschen, die in Deutschland harte Einschränkungen akzeptierten, erwarteten von der Regierung, dass sie bestmöglich vor einer Explosion der Infektionszahlen geschützt würden. Laut "Bild" gibt es in der Bundesregierung die Sorge, dass sich die Fluglinien nicht an die strengen Corona-Regeln hielten. Auch die Bundespolizei registrierte demnach immer wieder Verstöße gegen die Quarantäne-Pflicht.

Reiseverband protestiert

Merkel soll sich laut "Bild" in einem Gespräch mit den Unions-Fraktionschefs von Bund und Ländern am Sonntag dafür ausgesprochen haben, das Reisen unattraktiv zu machen und den Flugverkehr so auszudünnen, dass man nirgendwo mehr hinkomme. Nach Informationen von ntv sagte Merkel nun in der heutigen Sitzung der Unionsfraktion: "Niemand will einen Reisestillstand - oder was ich da schon wieder lese -, sondern wir wollen lediglich, dass durch Reisetätigkeit nicht zu viele Mutationen zu uns kommen." Es gebe keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen, sagte Merkel demnach. "Wir sind auf einem guten Weg. Die Maßnahmen wirken. Aber wir sind noch nicht am Ziel."

Der Deutsche Reiseverband (DRV) wandte sich allerdings dagegen, das Reisen fast vollständig einzuschränken. Touristische Reisen seien schon jetzt durch die Einschränkungen in der Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch der Geschäftsreisesektor liege am Boden. "Dies sollte auch die Bundesregierung zur Kenntnis nehmen. Sie sollte sich deshalb jetzt nicht darauf konzentrieren, unsere ohnehin stark eingeschränkte Reisefreiheit noch weiter einzuschränken", forderte der DRV. Die Regierung sollte vielmehr die "dramatischen Defizite" beim Impfen beheben und vernünftige Testkonzepte vorlegen. "Zudem sollte sich die Bundesregierung in der öffentlichen Debatte dringend darauf besinnen, dass Reisefreiheit ein Grundrecht ist - kein politisch zu gewährendes Privileg."

Quelle: ntv.de, mli/DJ/rts