Politik

Präsident besucht Kiewer Vorort Selenskyj: Butscha-Morde erschweren Verhandlungen

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Selenskyj sprach vor Journalisten und mit Anwohnern von Butscha.

(Foto: REUTERS)

Nach der Entdeckung hunderter toter Zivilisten in Butscha besucht Wolodymyr Selenskyj den Kiewer Vorort. Der ukrainische Präsident spricht erneut von Völkermord. Weitere Verhandlungen mit Russland dürften sich in Zukunft schwierig gestalten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Kiewer Vorort Butscha besucht, an dem sich Gräueltaten und Kriegsverbrechen zugetragen haben sollen. Nach den Vorkommnissen in Butscha sieht er die Fortsetzung der Friedensverhandlungen mit Russland erschwert. Es sei "schwierig", die Gespräche jetzt weiterzuführen, sagte Selenskyj. Weiteren Gespräche mit Russland erteilte der ukrainische Präsident allerdings keine Absage, weil die Ukraine Frieden finden müsse. "Wir werden unsere diplomatischen und militärischen Anstrengungen fortsetzen."

Selenskyj inspizierte die Straße, auf der eine russische Kolonne angegriffen wurde, und sprach mit Anwohnern. Er wiederholte, dass Russland in der Ukraine Kriegsverbrechen verübt habe. "Die Welt wird die Morde in Butscha als Genozid werten." Er habe nun Butscha, Irpin und Stojanka nach der russischen Besetzung gesehen. Man werde alles dafür tun, um diese Städte wieder zum Leben zu erwecken, so Selenskyj.

Das Entsetzen über die Bilder aus Butscha ist weiterhin groß. Dort waren am Wochenende nach dem Rückzug der russischen Truppen Hunderte Leichen entdeckt worden. Manche lagen mit gefesselten Händen auf der Straße. Die Zeitung "Ukrajinska Prawda" meldete unter Berufung auf einen Bestattungsdienst, bis Sonntagabend seien 330 bis 340 leblose Körper eingesammelt worden. Auch in anderen Gemeinden in der Umgebung Kiews wurden Todesopfer entdeckt.

Die Ukraine macht für das Massaker in Butscha russische Truppen verantwortlich, die vor einigen Tagen abgezogen waren. Moskau bestreitet das und spricht von "Fälschung". Die Suche nach weiteren Opfern dauerte auch am Montag an. Die ukrainischen Behörden waren weiter dabei, Spuren zu sichern. Dabei sollen sie in den nächsten Tagen internationale Hilfe bekommen. Mehr als 280 Tote wurden bereits in einem Massengrab beigesetzt.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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