Politik

Grönland-Fiasko im Weißen Haus?"Vielleicht wird das ein Selenskyj-Meeting"

13.01.2026, 17:50 Uhr
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Der dänische Ex-Außenminister Villy Søvndal blickt mit Skepsis auf das Treffen zwischen Dänemark, Grönland und den USA am Mittwoch. (Foto: picture alliance / Hans Lucas)

Warnung vor einem diplomatischen Eklat: Der frühere dänische Außenminister Søvndal sieht den Grönland-Gipfel im Weißen Haus mit Sorge. Statt Entspannung drohe eine Machtdemonstration. In Grönland selbst seien die Menschen dagegen entspannt.

Der frühere dänische Außenminister Villy Søvndal blickt mit Skepsis auf den für Mittwoch geplanten Grönland-Gipfel im Weißen Haus. Dort sollen US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio mit Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen sowie der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt zusammentreffen. Søvndal warnt vor einer konfrontativen Inszenierung: "Vielleicht wird das ein Selenskyj-Meeting, das sie da planen", sagte er in einem Pressebriefing der Europäischen Union mit Blick auf frühere Treffen, bei denen der ukrainische Präsident öffentlich unter Druck geraten war.

In Grönland selbst sei die Stimmung derzeit "sehr entspannt", so der 73-Jährige. Die Menschen seien solche politischen Machtspiele nicht gewohnt. Höre man sich in Bars um, fragten die Menschen: "Was geschieht jetzt? Was meint er?", wisse Søvndal aus Gesprächen. Paradoxerweise habe gerade die Debatte um den geopolitischen Wert der Insel einen Effekt gehabt: Die Beziehungen zwischen Grönland und Dänemark seien enger geworden. Zwar gebe es auch Grönländer, die sich eine Zugehörigkeit zu den USA vorstellen könnten, doch dies sei klar nicht die Mehrheit.

Für die Zukunft sieht Søvndal zwei Szenarien. Entweder bleibe die Beziehung zwischen Dänemark und Grönland im Kern so, wie sie heute ist. Oder aber der Druck von außen führe zu einer stärkeren Betonung grönländischer Eigenständigkeit. "Die Grönländer sind ein stolzes Volk – Menschen lassen sich nicht kaufen", betonte der Ex-Minister mit Blick auf Trumps Aussagen, er wolle den Einwohnern Geld bieten. Größere Sicherheit könne aus seiner Sicht eher durch eine stärkere Anbindung an Europa entstehen als durch bilaterale Deals.

Als Beispiel verwies Søvndal auf Island, wo ein Referendum über einen möglichen EU-Beitritt beschlossen wurde. Eine ähnliche Debatte könne es perspektivisch auch in Grönland geben. Der Gipfel in Washington dürfte daher weniger über kurzfristige Abmachungen entscheiden – sondern über die langfristige geopolitische Ausrichtung der größten Insel der Welt.

Søvndalwar von Oktober 2001 bis Dezember 2013 Außenminister Dänemarks. Er ist Mitglied der Sozialistischen Volkspartei, deren Chef er von 2005 bis 2012 war. Seit 2024 sitzt er im Europaparlament und gehört dort der Fraktion Die Grünen/EFA an.

Quelle: ntv.de, vmi

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