"Es begann im Dezember 2025"Selenskyj: Russland verliert die Initative auf dem Schlachtfeld

Im fünften Jahr des russischen Angriffskrieges sieht die Ukraine ihre Position auf dem Schlachtfeld gestärkt. Präsident Selenskyj fordert Gespräche mit Moskau noch vor Einbruch der kalten Jahreszeit. Lockerungen von Sanktionen gegen den Kreml kritisiert er scharf.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in einem US-Fernsehinterview für Friedensgespräche mit Russland vor dem Winter ausgesprochen. In einem Gespräch mit dem Sender CBS warb Selenskyj um die Unterstützung des US-Publikums und verwies auf eine verbesserte strategische Lage der Ukraine.
"Es begann im Dezember 2025, Russland begann die Initiative auf dem Schlachtfeld zu verlieren", sagte Selenskyj in der Sendung "Face the Nation". Russland könne nicht mehr Territorium besetzen, als die Ukraine zurückerobere. "Daher denke ich, dass wir einen diplomatischen Weg finden müssen - hinsetzen und verhandeln - bis Anbruch des nächsten Winters." Verhandelt werden könne auch mithilfe Europas oder bilateral mit Russland. Dies hänge auch vom Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin ab, sagte Selenskyj. Der Druck in der russischen Gesellschaft wachse, und der Druck durch Sanktionen müsse verstärkt werden.
Die Lockerung von Sanktionen gegen Russland angesichts der aktuellen Erdölkrise kritisierte Selenskyj. "Sanktionen aufheben bedeutet, russischen Soldaten zu helfen, indem man der russischen Industrie hilft", sagte er. Durch die Lockerung der Sanktionen gegen Moskau habe es keine Überraschungen wie niedrigere globale Preise für Öl, Benzin oder Diesel gegeben. Vielmehr sei diese Lockerung seiner Meinung nach ein Weg, um den Dialog mit Russland aufzubauen. "Aber dies ist nicht die richtige Herangehensweise, denn sie (die Russen) verstehen keine Worte oder Empathie und sehen es als Zeichen der Schwäche."
Selenskyj strebt Drohnenabkommen mit USA an
An der Front in der Ukraine hat sich der Vormarsch der russischen Truppen verlangsamt, während die Ukraine zunehmend die für Russland wichtige Ölindustrie angreift. Der Kommandeur des Dritten Armeekorps der Ukraine, Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, hatte vor wenigen Tagen gesagt, die Ukraine habe ein Zeitfenster von sechs Monaten, um die Initiative zu ergreifen und ihre Position für Verhandlungen zu stärken. Die russische Armee sei nach seiner Einschätzung erschöpft und zu größeren Durchbrüchen nicht mehr in der Lage.
Bisherige Verhandlungs- oder Vermittlungsversuche sind an den Maximalforderungen Moskaus gescheitert. Zu diesen gehört unter anderem, dass Kiew seine Armee aus den bislang nicht von Russland eroberten Gebieten im Donbass, den die Regionen Donezk und Luhansk bilden, abzieht.
Selenskyj strebt nach eigenen Worten ein Abkommen mit den USA über gemeinsame Drohnentechnologie an. Die Ukraine könne fünf Jahre Erfahrung mit der Abwehr russischer Drohnen und Raketen einbringen. "Wir haben bereits Drohnen-Abkommen mit einigen Ländern im Nahen Osten und wir haben bereits Drohnen-Abkommen mit einigen europäischen Ländern", sagte er in dem TV-Interview. "Jetzt bereiten wir das große Drohnen-Abkommen mit der Europäischen Union vor, und ich hoffe, dass wir solche Entscheidungen mit amerikanischen Partnern haben werden. Ich zähle darauf."
Bis auf weiteres benötige die Ukraine US-Hilfen bei der Flugabwehr, sagte Selenskyj. "Bis zu dem Moment, in dem wir unser europäisches antiballistisches System produzieren werden, bis zu diesem Moment brauchen wir die Unterstützung der USA."