Politik

Kriegsnacht im Überblick Selenskyj sieht strategische Niederlage Moskaus - Raketen treffen Krementschuk

Fast drei Monate nach Kriegsbeginn scheint Russland vom Erreichen seiner Kriegsziele weit entfernt. Der ukrainische Präsident Selenskyj hält die Niederlage Moskaus deshalb bereits für offensichtlich. Sein Berater unterstellt der Kreml-Führung "Idiotie". Währenddessen treffen russische Raketen eine Raffinerie in Krementschuk.

Selenskyj kritisiert russische Angriffe auf Schulen

Knapp zweieinhalb Monate nach der Invasion russischer Truppen ist die strategische Niederlage Russlands nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj "offensichtlich". Die Niederlage Moskaus sei "für jeden auf der Welt offensichtlich und auch für diejenigen, die immer noch mit ihnen (den Russen) kommunizieren", sagte Selenskyj am Donnerstagabend in seiner täglichen Videobotschaft. Nur habe Russland nicht den Mut, die Niederlage einzugestehen. "Sie sind Feiglinge und versuchen, diese Wahrheit hinter neuen Raketen-, Luft- und Artillerieangriffen zu verbergen."

Selenskyj kritisierte auch die jüngsten russischen Angriffe, bei denen in Tschernihiw im Norden des Landes eine Schule getroffen worden war. "Natürlich ist der russische Staat in einem Zustand, in dem ihn jede Bildung nur behindert", sagte Selenskyj. Russische Kommandeure, die derartige Befehle zum Beschuss von Bildungseinrichtungen erteilten, seien "einfach krank - unheilbar".

Selenskyj-Berater unterstellt russischer Führung "Idiotie"

Selenskyjs Berater Olexij Arestowytsch führt seine gelegentlich falschen Analysen des Kriegsgeschehens auf "schreckliche Idiotie" der politischen und militärischen Führung Russlands zurück. "Ich halte sie eigentlich für Menschen mit einem durchschnittlichen Verstand", sagte der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Bericht der Agentur Unian. "Aber dann unternehmen sie etwas, das mir nie in den Sinn gekommen wäre, weil es so dumm ist."

Russland habe zuletzt weitere 15 Kampfeinheiten "zusammengekratzt", um sie in den Kampf zu werfen. "In den vergangenen fünfeinhalbtausend Jahren Militärgeschichte lässt sich keine größere Idiotie finden", sagte Arestowytsch. Zuletzt hatte er eine neue Offensive der russischen Armee gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew nicht ausgeschlossen und von "sinnlosem Selbstmord" gesprochen.

Verhandlungen um Soldaten in Asowstal gehen weiter

Mit internationaler Unterstützung setzt die ukrainische Führung ihre Bemühungen um eine Rettung der Soldaten im belagerten Stahlwerk Asowstal in der Hafenstadt Mariupol fort. "Wir haben eine neue Runde der Verhandlungen eröffnet", sagte Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der "Ukrajinska Prawda". Kiew habe den UN und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz das Mandat zu den Gesprächen mit der russischen Seite erteilt, die Türkei sei inzwischen als Vermittler dabei.

Angestrebt sei eine Evakuierung in mehreren Etappen - an erster Stelle stehe die Rettung von 38 schwer verwundeten Verteidigern aus Asowstal. Sollte dies klappen, "dann bewegen wir uns weiter". Die Ukraine ist unter anderem bereit, russische Kriegsgefangene für die Verwundeten aus Asowstal auszutauschen. Die Türkei schlug dem russischen Militär nach Angaben der "Ukrajinska Prawda" vor, alle ukrainischen Soldaten aus Asowstal auf dem Seeweg zu evakuieren. Sie sollten dann bis Kriegsende in der Türkei bleiben.

Russische Raketen treffen Raffinerie in Krementschuk

Die Industriestadt Krementschuk in der Zentralukraine ist nach ukrainischen Angaben am Donnerstag von einer Serie russischer Raketen getroffen worden. Beim bisher größten Angriff auf die Stadt seit Kriegsbeginn vor zweieinhalb Monaten sei auch eine Raffinerie beschädigt worden, sagte der regionale Militärchef Dmitrij Lunin nach Angaben der Agentur Unian.

Ukrainisches Crowdfunding-Projekt bringt Millionen

Ein von der ukrainischen Führung ins Leben gerufenes Crowdfunding-Projekt zur Unterstützung des Landes hat innerhalb einer Woche bereits Millionen eingebracht. Wie Digitalminister Mychajlo Fjodorow mitteilte, seien Spenden von 25,8 Millionen Dollar (24,4 Mio Euro) über die Website United24 eingegangen. "Die Unterstützung kam aus 72 Ländern der Welt." Das Geld werde nun unter den Ministerien aufgeteilt, um die aktuell notwendigsten Projekte zu finanzieren.

Das bringt der Tag

  • Bundeskanzler Olaf Scholz soll im Verteidigungsausschuss des Bundestags über Deutschlands Haltung zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine berichten, insbesondere auch über Waffenlieferungen.
  • Bei ihrem Treffen in Weißenhäuser Strand an der Ostsee setzen die Außenminister der G7 ihre Beratungen über Konsequenzen aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine fort. Zu dem Treffen werden auch die Außenminister aus der Ukraine und aus Moldau erwartet.
  • In Stuttgart kommen die Agrarminister der G7 zu Gesprächen über die Folgen des Ukraine-Kriegs für die globale Ernährungssicherheit zusammen. Bei dem Treffen auf Schloss Hohenheim wird auch der ukrainische Landwirtschaftsminister Mykola Solskyj erwartet.
  • Nach dem Ja Finnlands zur NATO wird die schwedische Sicherheitsanalyse rund um die NATO-Frage veröffentlicht. Bis zuletzt war unklar, ob die Analyse auch eine klare Empfehlung für oder gegen eine NATO-Mitgliedschaft Schwedens liefern wird.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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