Merz auf "Vergeltungsliste"Sicherheitspolitiker befürchten iranischen Terror in Deutschland

Vermutlich geschah es nicht ohne Billigung der Mullahs: Eine Zeitung veröffentlicht eine Racheliste, auf der auch Bundeskanzler Merz steht. Deutsche Sicherheitspolitiker warnen vor Attentaten hierzulande.
Nach der Veröffentlichung einer iranischen "Vergeltungsliste", auf der auch Bundeskanzler Friedrich Merz steht, warnen Sicherheitspolitiker vor Anschlägen iranischer Netzwerke in Deutschland. "Ich gehe davon aus, dass das Terrorregime bereits seit geraumer Zeit gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen und auch in Deutschland plant und vorbereitet", sagte der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter dem "Handelsblatt". Das Risiko sei groß, "dass iranische Dienste und ihre Netzwerke auch in Deutschland Anschläge verüben".
Teheran greife dabei auf verbündete Strukturen zurück. "Das Regime nutzt Hisbollah-nahe oder andere schiitisch-extremistische Netzwerke", sagte Kiesewetter. Die Veröffentlichung der Liste sei ein gezielter Einschüchterungsversuch. "Umso unverständlicher ist es, dass wir iranische 'Diplomaten' nicht längst ausgewiesen haben, sondern eher auf Appeasement setzen."
Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz warnte ebenfalls vor einer neuen Qualität der Bedrohung. "Eine solche Listung durch eine iranische Zeitung geschieht mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht ohne Billigung oder gar im direkten Auftrag des Mullah-Regimes", sagte er dem "Handelsblatt". Das Risiko, dass iranische Nachrichtendienste bei Vergeltungsaktionen auf Stellvertreter in Deutschland zurückgriffen, sei "äußerst real". Insbesondere Hisbollah-nahe Strukturen müssten stärker in den Blick genommen werden.
Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler sieht eine verschärfte Bedrohungslage. Als mögliche Akteure nannte er extremistische Strukturen, kriminelle Netzwerke und bezahlte Gewalttäter. Auch über das Internet angeworbene Personen kämen infrage. Diese würden dabei häufig ihre konkreten Auftraggeber und die Hintergründe nicht kennen. "Entsprechend groß ist die Herausforderung für unsere Sicherheitsbehörden."
Schautafel mit Zielpersonen
Die iranische Tageszeitung "Hamshahri" hatte am Samstagabend eine Liste mit 13 westlichen Politikern veröffentlicht, die für den Tod des früheren geistlichen Führers Ali Chamenei "bezahlen" sollen, unter ihnen Merz. Auf einem Schaubild auf der Website der Zeitung waren neben Merz auch US-Präsident Donald Trump, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der scheidende britische Premierminister Keir Starmer zu sehen.
Ali Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag des von Israel und den USA begonnenen Krieges, bei einem US-israelischen Angriff getötet worden. Sein Sohn Modschtaba folgte ihm als geistlicher Führer nach.
Der Iran hatte europäischen Staaten während des Krieges vorgeworfen, die Angriffe auf iranisches Gebiet nicht verurteilt zu haben oder durch die Freigabe ihres Luftraums für US-Militärflugzeuge zu unterstützen.