Politik

"Schwerste Bombardierung" seit Kriegsbeginn Sicherheitsrat tritt wegen Aleppo zusammen

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Mehr als vier Jahre Bürgerkrieg haben Aleppo komplett verwüstet: Diese Aufnahme zeigt zerstörte Gebäude im südlich gelegenen Vorort Al-Ramouseh.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit drei Tagen bombardiert die syrische Luftwaffe pausenlos Aleppo. UN-Generalsekretär Ban spricht von einer nie dagewesenen Intensität. In einer eilig einberufenen Krisensitzung soll ein Weg gefunden werden, den Menschen im Ostteil der Stadt zu helfen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York kommt noch am Sonntag zu Beratungen über die Luftangriffe in Aleppo zusammen. Nach UN-Informationen hatten Großbritannien, die USA und Frankreich das Treffen in der Nacht beantragt. Danach werden die 15 Mitglieder des höchsten UN-Entscheidungsgremiums heute um 17.00 Uhr MESZ (11.00 Uhr Ortszeit) über die verheerende Lage in der syrischen Stadt beraten. Dort sollen zwei Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte sich zuvor "erschüttert über die verheerende militärische Eskalation" in Aleppo geäußert. Nach Worten seines Sprechers Stephane Dujarric sagte Ban am Samstag in New York, er sei alarmiert über Berichte von Luftangriffen mit Brandbomben und anderen Bomben, die selbst Bunker sprengen könnten. Aleppo sei der "anhaltendsten und schwersten Bombardierung" seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt. Nach dem Abbruch der Waffenruhe in der vergangenen Woche hatte Damaskus Angriffe auf die von Rebellen kontrollierten Teile der Stadt verschärft.

"Das sprengt alle Dimensionen"

US-Außenminister John Kerry hatte sich am Samstag in Boston mit vier europäischen Außenministern ausgesprochen. Er verlangte von Syrien ein sofortiges Ende der Luftangriffe. "Was in Aleppo passiert, ist inakzeptabel. Das sprengt alle Dimensionen", sagte Kerry. Zugleich rief er Russland auf, seinen Einfluss auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad geltend zu machen.

In Aleppo sind seit Ende der Waffenruhe mehr als 180 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch mindestens 26 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am Samstag erschütterten massive Luftangriffe der syrischen Armee und ihrer Verbündeten den dritten Tag in Folge den von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt. Dort harren noch immer mehr als 250.000 Menschen unter widrigsten Umständen aus. Die zwischen Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe hatte nicht einmal eine Woche lang gehalten.

Die schweren Bombardements bedeuten nach den Worten von UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura "eine Rückkehr zum offenen Konflikt". Aus seiner Sicht sei es die schlimmste humanitäre Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte de Mistura dem arabischen Sender "Al-Dschasira". Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte vor Wiederaufnahme der Luftangriffe auf Aleppo am Donnerstag eine Bodenoffensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Im Umland Aleppos rückten Regimetruppen nach Gefechten gegen die Aufständischen vor. Die angekündigte Militäroperation begann damit aber offensichtlich noch nicht.

Quelle: ntv.de, jve/dpa

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