Politik

Thunberg gegen Trump Sie schimpft, er stänkert

Sie hatten in Davos heute beide einen wichtigen Auftritt: Trump und Thunberg. Der US-Präsident und die schwedische Klimaaktivistin haben womöglich nur das eine gemeinsam: die jeweilige Abneigung gegen den anderen.

Sie liegen nicht nur in ihrer Einschätzung, wie bedrohlich der Klimawandel ist, maximal weit auseinander. Donald Trump und Greta Thunberg - zwei Menschen, die zurzeit die Weltöffentlichkeit, ihre Debatten und Stimmungen in einem Ausmaß prägen wie kaum jemand sonst - unterscheiden sich auch im Stil ihrer Auftritte maximal. Das wird am ersten Tag des Weltwirtschaftsforums in Davos überdeutlich.

US-Präsident Trump eröffnet zum zweiten Mal nach 2018 das Forum der Wichtigen aus Politik und Wirtschaft und reiht in seiner Rede minutenlang Erfolgszahlen der US-Wirtschaft aneinander - Wachstumsraten, Beschäftigungsquoten, Wohlstandsentwicklungen. Zwischen den Zeilen die Botschaft ans Publikum und an die Welt sendend: Uns geht es super und wir brauchen euch übrigens nicht.

Thunberg sagt, was sie zu sagen hat

Klimaaktivistin Thunberg hingegen verweigert sich gleich auf dem ersten Podium, an dem sie morgens teilnimmt, jeglicher Wohlfühl-Rhetorik. Die Frage des Moderators, wie die teilnehmenden Umweltkämpfer mit Hass-Kommentaren umgingen, erscheint ihr so irrelevant, dass sie die Gelegenheit zu sprechen lieber für eine vorbereitete Rede nutzt. Es folgt die zentrale Empfehlung aus dem Report des Weltklimarats IPCC von 2018, Seite 108 im zweiten Kapitel: Die weltweit führenden Klimaforscher fassen dort zusammen, dass die Welt, wenn sie den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur unter 1,5 Grad halten will, den Ausstoß von Kohlendioxid sehr schnell sehr stark einschränken muss. Darum geht es hier und nicht um Thunbergs Befindlichkeiten gegenüber Beleidigungen im Netz.

Obwohl Donald Trump Greta Thunberg noch vor wenigen Monaten beim UN-Klimagipfel in New York als "sehr glückliches Mädchen" abgetan hat, "in Vorfreude auf eine strahlende und wundervolle Zukunft", passt er seine Eröffnungsrede diesmal der Tatsache an, dass man am Thema Klimaschutz dank Thunbergs Fridays-for-Future-Kampagne schlicht nicht mehr vorbeikommt. Nicht als Weltwirtschaftsforum, das sich in diesem Jahr den Titel "Akteure für eine zusammenhaltende und nachhaltige Welt" gegeben hat. Und nicht mal als US-amerikanischer Präsident, der 2018 das Thema in seinem Vortrag nicht einmal gestreift hatte.

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Das leistet sich Trump im Jahr 2020 nicht mehr, erklärt, dass die USA sich an der Forums-Initiative "Drei Milliarden Bäume" beteiligen will und setzt angesichts der überall verbreiteten Klima-Warnungen ansonsten auf Trotz. Es sei Zeit für Optimismus und nicht für Pessimismus. "Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen", fordert Trump, während eine zentrale Veranstaltung am selben Tag unter dem Titel "Wie wir eine Klima-Apokalypse vermeiden" steht.

Das Feld der Fakten überlässt Trump seiner Gegnerin

So radikal hat sich die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit in den vergangenen Monaten gewandelt, dass auf dem Weltwirtschaftsforum Trump in erster Linie überholt wirkt, wie er die Klimaschützer als "Erben der dummen Wahrsager von gestern" beschimpft, die schon Bevölkerungskrisen, Hungersnöte und das Ende des Öls vorhergesagt hätten. Sie wollten "immer dominieren, jeden Aspekt unseres Lebens ändern und kontrollieren".

Es dürfe nicht zu viel Skepsis geben, die USA hätten Wachstum, Kreativität und die "Bereitschaft, jeder Herausforderung zu begegnen". Doch scheut der Präsident eine direkte Auseinandersetzung mit Thunberg und vermeidet, sich durch wissenschaftliche Behauptungen angreifbar zu machen. Seine "Läuft doch super"-Attitüde belegt er mit keiner Zahl zum Zustand des Weltklimas. Das Feld der Fakten überlässt Trump kampflos seiner Gegnerin.

Thunberg wiederum nutzt die Weltbühne, um einmal mehr ihre Fassungslosigkeit darüber auszudrücken, dass angesichts der dramatischen Bedrohung durch den Klimawandel nahezu nichts passiert, um ihn abzuwenden. "Leere Worte und Versprechen" wirft sie ihrem Publikum vor und fordert "Teilnehmer aller Unternehmen, Banken, Institutionen und Regierungen dazu auf, sofort alle Investitionen in die Erschließung und den Abbau fossiler Brennstoffe zu stoppen", ebenso sämtliche Subventionen dafür. Im Saal sitzen wohl nicht wenige Menschen, die diese Forderung betrifft. "Wir wollen nicht, dass das bis 2050 oder 2030 oder selbst 2021 erledigt wird. Wir wollen, dass das jetzt passiert", stellt Thunberg klar und verlangt, "dass ihr in Panik geraten und so handeln sollt, als ob ihr eure Kinder über alles liebt."

Quelle: ntv.de