Politik

"Hart aber fair" Sind wir zu bequem, um das Klima zu retten?

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"Die Erde schwitzt, das Eis schmilzt: Wie radikal müssen wir uns ändern?" - Thema bei "Hart aber fair".

(Foto: WDR/Oliver Ziebe)

Hunderttausende Schüler schwänzen jeden Freitag die Schule, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Von der Politik werden sie größtenteils hofiert und auch VW setzt auf einen Paradigmenwechsel - aber wie ehrlich sind die Maßnahmen wirklich gemeint?

Die Zukunft ist zurzeit überall: Jeden Freitag demonstrieren im Rahmen von "Fridays for future" bis zu 300.000 zumeist junge Leute in Deutschlands Städten für den Klimaschutz (und schwänzen dafür die Schule). Unterstützt werden sie von den "Parents for future" und seit Kurzem auch von rund 20.000 Wissenschaftlern unter dem Label "Scientists for future". Sie alle verfolgen ein gemeinsames Ziel und sind dabei mittlerweile so laut, dass sie von der Politik regelrecht hofiert werden. Am Problem ändern hehre Absichten freilich noch nichts, weshalb das Thema bei "Hart aber fair" am Montagabend entsprechend lautet: "Die Erde schwitzt, das Eis schmilzt: Wie radikal müssen wir uns ändern?"

Frank Plasberg hat dazu die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, den VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess, den TV-Moderator Markus Lanz und "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt ins Studio gebeten.

Sportwagenfan gegen Klimaretterin

"Wir müssen akzeptieren, dass man mit dem Planeten nicht verhandeln kann", greift Svenja Schulze die zentrale Frage der Sendung auf. Das sei viel zu lange gemacht worden, findet die Umweltministerin - und sieht ihre Regierung in der Verantwortung: "Die Politik ist gefordert, klare Rahmenbedingungen zu setzen. Heute ist es für Menschen schwierig, CO2 zu vermeiden - und das muss die Politik einfacher machen. Fliegen ist heute sehr, sehr billig - aber es hat nicht den klaren Preis, den es klimatechnisch kostet." Markus Lanz findet die Aussage der Ministerin unehrlich: "Wir kuscheln uns gemeinsam durch diese Klimadebatte, das kann es ja nun nicht sein. Was war denn in all den Jahren davor? Man weiß nie genau, ob diese Umarmung nicht in Wahrheit ein Würgegriff ist", gibt der Moderator zu bedenken.

Das deutsche Gesicht der "Fridays for future"-Bewegung, Luisa Neubauer, begrüßt dagegen die Absichtserklärung der Umweltministerin, gibt sich aber trotzdem skeptisch: "Wir sehen eine Bundesregierung, die seit Jahrzehnten hehre Ziele beschließt und sie dann immer wieder grandios verfehlt. Wir brauchen eine Bundesregierung, die beweist, dass wir in diesem Land in der Lage sind, internationale Abkommen einzuhalten." Die Geografiestudentin punktet in der Sendung durch ihre Schlagfertigkeit und knallharte Positionen und steckt den sonst mit allen Wassern gewaschenen Kommunikationsprofi Ulf Poschardt rhetorisch locker in die Tasche.

Der "Welt"-Chefredakteur gibt in der Sendung wie üblich den Polemiker: "Ich werde mit meinem bewussten Biofleischkonsum nicht die Welt retten, so wie wir alle nicht die Welt retten werden", glaubt Poschardt. Der Journalist ist bekennender Sportwagenfan und will auf keinen Fall auf Elektroautos umsteigen, denn "bei denen fehlt mir die Seele". Großes Aufstöhnen in der Runde, auch bei einem, der selbst für die Produktion von Sportwagen verantwortlich ist.

Elektromobilität wird Mainstream

Herbert Diess ist die größte Überraschung in der Runde und präsentiert seinen Konzern als geläutert: "Wir glauben, dass individuelle Mobilität CO2-frei möglich ist", sagt der VW-Vorstandsvorsitzende. Sollte sich der Autobauer so kurz nach dem Abgasskandal tatsächlich vom Saulus zum Paulus gewandelt haben? In der Talkrunde selbst regt sich jedenfalls erstaunlich wenig Widerstand gegen Diess' Aussagen - wobei zumindest die auch erstaunlich ehrlich sind.

"Die jungen Leute haben die ganze Autorität, uns anzuklagen", sagt Diess im Büßerton und zählt auf, was bei VW demnächst alles anders wird: So wird das werkseigene Kraftwerk von Kohle auf klimafreundlicheres Gas umgestellt. Vor allem aber wird die Autoproduktion radikal auf elektrisch getrimmt: Ein Golf-ähnliches Fahrzeug soll ab 2020 Elektromobilität zum Mainstream machen. Immerhin ein Prozent soll VW laut Diess am globalen CO2-Ausstoß einsparen können, wenn alle Volkswagen erst einmal elektrisch fahren. Und das ist dann doch mal eine ganze Menge.

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Quelle: n-tv.de

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