Politik

Ex-Ifo-Chef im "ntv Frühstart" Sinn: "Das Nichtstun wird verlängert"

Der Ökonom Hans-Werner Sinn lobt im "ntv Frühstart" die Bundesregierung für ihr Krisenmanagement. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes hält er allerdings für wenig sinnvoll.

Der ehemalige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes kritisiert. "Wenn ich viel Geld für das Nichtstun gebe, dann wird das Nichtstun verlängert. Das ist die Kehrseite", sagte Sinn im "ntv Frühstart". Sinn stimmte damit dem CDU-Politiker Friedrich Merz zu, der bei "Bild Live" in diesem Zusammenhang davor gewarnt hatte, dass man sich nicht daran "gewöhnen" dürfe, ohne Arbeit leben zu können.

Ökonom Sinn fügte hinzu: "Ich bin sehr für das Kurzarbeitergeld gewesen, aber dass man das jetzt nochmal bis nach der Wahl nächstes Jahr verlängert hat, das ist ja ein so durchsichtiges Manöver. Das ist jenseits dessen, was man rational als Ökonom vertreten kann." Es sei zwar richtig, die Menschen abzufedern, die arbeitslos geworden sind, jedoch könne man nicht erwarten, dass dies zu einer "Dauereinrichtung" werde. "Das geht nicht. Wir können ja nicht dauernd aus der Druckerpresse leben", so Sinn.

Insgesamt lobte der ehemalige Ifo-Chef das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Corona-Pandemie. Zudem stehe Deutschland wirtschaftlich besser da, als noch vor einem halben Jahr angenommen. "Wir sind relativ gut durchgekommen", sagte Sinn. Allerdings habe Deutschland zuletzt "etwas zu viel Geld in die Hand genommen. Das wäre nicht nötig gewesen." Insgesamt könne man aber nun mit Blick auf die Pandemie "intelligenter" handeln. "Man weiß ja ungefähr, wie aktiv das Virus ist und was man dagegen tun kann. Es wird also lokale Lockdowns geben", sagte Sinn.

"Wir subventionieren die amerikanischen SUV-Fahrer"

Mit Blick auf die Klimakrise betonte Sinn, dass es für Deutschland nicht sonderlich klug sei, weniger Erdöl am Weltmarkt zu kaufen, um das Klima zu retten. Zwar sei es gut, wenn die Kohle in Deutschland im Boden bleibe, aber "wenn wir das Erdöl nicht kaufen auf den Weltmärkten, glauben Sie mal nicht, dass die Scheichs das Erdöl stattdessen in der Erde lassen". Andere Länder wie China oder Amerika freuten sich dann über fallende Weltmarktpreise, so Sinn. "Wir subventionieren also die amerikanischen SUV-Fahrer und tun nicht wirklich was für das Klima."

Zudem schalte die Politik "die traditionelle Automobilindustrie einfach ab" und schaue dann, was passiert, sagte Sinn. "So geht es doch nicht. Ich meine, da hängen eine Million Arbeitsplätze dran. Und glauben Sie mal nicht, dass wir das mit den Elektroautos alles wieder aufholen werden. Der Tesla hat sich ja schon ins gemachte Nest gesetzt in Berlin."

Den Vorschlag von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, den Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2035 zu verbieten, bezeichnete Sinn als "falsch". "Der Staat hat gar nicht die Informationen, die nötig sind, um hier richtige Entscheidungen zu treffen. Das ist ein bisschen zentralplanerisch. Auch die EU ist so unterwegs." Man müsse das dem Markt überlassen, wie er reagiert.

Quelle: ntv.de, psa