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London verdächtigt die Russen Alexander Petrov und Ruslan Boshirov des Anschlags auf Skripal.
London verdächtigt die Russen Alexander Petrov und Ruslan Boshirov des Anschlags auf Skripal.(Foto: REUTERS)
Freitag, 07. September 2018

Kontakte nach Spanien: Skripal soll Geheimdienst geholfen haben

Warum wurde Sergej Skripal vergiftet? Einem US-Medienbericht zufolge hat sich der ehemalige russische Spion wiederholt in Spanien aufgehalten. Dort könnte er einer Arbeit nachgegangen sein, die einigen Russen vermutlich missfiel.

Der ehemalige russische Spion Sergei V. Skripal soll auch Kontakte zum spanischen Geheimdienst gehabt haben. Dies berichtet die "New York Times" und beruft sich dabei auf einen hochrangigen Beamten in Spanien sowie einen Kenner des dortigen Sicherheitsapparates. Demnach soll sich Skripal, der im März in Salisbury Opfer eines Giftgasanschlags geworden ist, wiederholt in Spanien aufgehalten haben.

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Unklar ist bislang, was genau Skripal in Spanien gemacht hat. Ehemaligen Beamten zufolge soll Skripal mitgeholfen haben, das organisierte Verbrechen durch Russen zu bekämpfen. Spanien gilt als eines der Länder, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu einem Zufluchtsort für Kriminelle und korrupte Beamte aus Russland wurden. Einigen von ihnen werden auch Verbindungen zum Kreml nachgesagt.

"Wir hatten von Beginn an ein großes Problem", sagte ein ehemaliger spanischer Polizeichef der "New York Times". "Das Phänomen des russisch organisierten Verbrechens haben wir zu lange ignoriert. Wir wussten nicht richtig, wie sie vorgingen. Skripal und Litwinenko gaben uns ein genaueres Bild der Realität."

Alexander Litwinenko war ein ehemaliger Agent des russischen Geheimdienstes, der 2006 in London nach einer Polloniumvergiftung starb. Die Behörden beschuldigten damals Russland des Anschlags. Litwinenko, der ein vehementer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin war, hatte auch Verbindungen zum spanischen Geheimdienst gehabt.

Britische Regierung beschuldigt Putin

Skripal selbst hielt sich in den 1990er Jahren in Spanien auf, wo ihn der britische Auslandsgeheimdienst anwarb. Später wurde er entlarvt, saß in Russland in Haft und kam 2010 frei. Seitdem lebte Skripal in Großbritannien, wo er im März dieses Jahres zusammen mit seiner Tochter einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok zum Opfer fiel. Die beiden überlebten, die Affäre weitete sich zu einem diplomatischen Eklat aus, weil London Russland für das Attentat verantwortlich machte. Erst in dieser Woche gab die britische Regierung Putin persönlich die Schuld.

Offenbar führte Skripal nach seiner Übersiedlung nach London nicht nur ein beschauliches Rentnerleben, wie zunächst vermutet worden war. Im Frühjahr war bereits bekannt geworden, dass sich Skripal in den vergangen Jahren auch mit estnischen und tschechischen Spionen getroffen hatte.

Sollte Skripal in Spanien tatsächlich für die Geheimdienste vor Ort gearbeitet haben, wäre dies aus Sicht russischer Sicherheitskräfte ein weiterer Verrat - und könnte auch ein Grund sein für den Anschlag auf ihn. Die "New York Times" zitiert einen ehemaligen Führungsoffizier Litwinenkos, Alexander Gusak, mit den Worten: "Ich bin mit sowjetischen Idealen großgeworden. Auf einen Verräter spuckst du, schnappst ihn, erschießt oder erhängst ihn und pisst auf sein Grab."

Quelle: n-tv.de