Politik

Folge des neuen WehrdienstesSo viele Kriegsdienstverweigerer wie seit 15 Jahren nicht

30.06.2026, 01:43 Uhr
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Rekruten der Panzerbrigade 21 aus Ahlen und Unna legen ihren Diensteid ab. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundeswehr braucht mehr Soldaten, um im Angriffsfall das Land verteidigen zu können. Wer auf keinen Fall zur Waffe greifen will, stellt nun wieder vermehrt einen Antrag auf Verweigerung des Kriegsdienstes. Zugleich gibt es auch die umgekehrte Bewegung.

Nach der Einführung des neuen Wehrdienstes ist es zu einem deutlichen Anstieg vorsorglicher Kriegsdienstverweigerungen gekommen, um bei einem Spannungs- und Verteidigungsfall keinen Dienst an der Waffe leisten zu müssen. Bis Ende Mai wurden bereits 2667 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben rechtskräftig anerkannt, wie eine Sprecherin auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" mitteilte. Damit dürfte die Zahl in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 2011 steigen.

2025 wurden im gesamten Jahr 2830 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung anerkannt, ein Wert, der jetzt schon im ersten Halbjahr übertroffen werden dürfte. Mit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 fiel auch schlagartig die Zahl der Verweigerungen: Von 87.590 (2010), über 5177 (2011) auf 370 (2012). Aber seit dem Aufkommen der Debatte um einen neuen Wehrdienst steigen die Zahlen wieder spürbar an.

Im Zuge der Debatte um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands steigt zugleich - auf niedrigem Niveau - die Zahl von früheren Zivildienstleistenden, die ihre Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Seit dem Jahr 2022, dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, stieg die Zahl von 487 (2022) auf 781 im vergangenen Jahr. Bis Mai des laufenden Jahres haben bereits weitere 357 Bürger ihren Widerruf erklärt. Diese Person würden dann neu "in den Datenbestand der Gruppe der 18- bis 60-jährigen Wehrpflichtigen aufgenommen", betonte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf SZ-Anfrage. Ungediente könnten sich dann in Reserveübungen zum Soldaten ausbilden lassen und danach im Heimatschutz eingesetzt werden.

Bundeswehr wirbt verstärkt an Schulen

Zugleich steigerte die Bundeswehr die Zahl ihrer Besuche an Schulen. In der ersten Jahreshälfte 2026 absolvierten Vertreter der Truppe bundesweit 3790 öffentliche Auftritte an Schulen und Berufsschulen, wie das Bundesverteidigungsministerium auf eine Anfrage der Linken im Bundestag mitteilte. Die Daten lagen den Funke-Zeitungen vor. Setzt sich der Trend der ersten sechs Monate im zweiten Halbjahr fort, wird die Zahl der Schulbesuche aus dem Jahr 2025 deutlich übertroffen werden. Im gesamten Vorjahr fanden demnach 5617 solcher Veranstaltungen statt.

Die Linke kritisiert die höhere Aktiviät an Schulen: Die hohe Zahl der Schulbesuche zeige, dass die Bundeswehr "eine systematische Militarisierung" der Klassenzimmer betreibe - "und zwar auf Rekordniveau", sagte die Vizevorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Nicole Gohlke, den Zeitungen. Dabei habe die Bundeswehr "vor allem Minderjährige im Fokus". Gohlke warnt vor einer "Rekrutierung durch die Hintertür".

Quelle: ntv.de, mau

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