Politik
Jean-Marie und Marine Le Pen im Europaparlament: Zwei unterschiedliche Ansichten, wie radikal der Front National ausgerichtet sein soll.
Jean-Marie und Marine Le Pen im Europaparlament: Zwei unterschiedliche Ansichten, wie radikal der Front National ausgerichtet sein soll.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 05. Mai 2015

Familienkrach unter Rechtsextremen: So zerstreitet sich der Front National

Der Vater ist Parteigründer, die Tochter ist Parteichefin. Und beide haben sehr unterschiedliche Ansichten, was aus dem Front National werden soll. Frankreich wird Zeuge eines schmutzigen Machtkampfes.

Der Streit zwischen Front-National-Chefin Marine Le Pen und ihrem Vater Jean-Marie, dem Gründer von Frankreichs rechtsextremer Partei, ist endgültig eskaliert. Die FN-Spitze suspendierte die Parteimitgliedschaft des 86-Jährigen wegen wiederholter antisemitischer Entgleisungen und will ihm den Titel des Ehrenpräsidenten entziehen. Die Eskalation des Streits im Überblick:

2. April: In einem Fernsehinterview bezeichnet Jean-Marie Le Pen die Gaskammern der NS-Konzentrationslager zum wiederholten Mal als "Detail" der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. "Ich halte daran fest, weil ich glaube, dass das die Wahrheit ist", sagt der 86-Jährige. Marine Le Pen distanziert sich sofort von ihrem Vater: In dieser Frage gebe es eine "tiefe Meinungsverschiedenheit" zwischen ihnen.

7. April: Jean-Marie Le Pen legt nach: Im rechtsextremen Magazin "Rivarol" verteidigt der FN-Gründer den Marschall Pétain, der im Zweiten Weltkrieg das mit Nazi-Deutschland kollaborierende Vichy-Regimes anführte. Er zeigt auch Verständnis, wenn jemand "die Demokratie bekämpft".

8. April: Es kommt zum offenen Bruch zwischen Tochter und Vater: Marine Le Pen wirft dem Parteigründer vor, er bewege sich "zwischen einer Strategie der verbrannten Erde und politischem Selbstmord". Sie macht deutlich, dass sie eine Kandidatur des 86-Jährigen bei den Regionalwahlen im Dezember verhindern wird.

9. April: Der einflussreiche FN-Vizechef Florian Philippot legt Jean-Marie Le Pen einen Parteiaustritt nahe - und droht ihm indirekt sogar mit einem Rauswurf aus der Partei.

13. April: Der so unter massiven Druck geratene Jean-Marie Le Pen erklärt seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei den Regionalwahlen, bei denen er in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur hatte antreten wollen. Zugleich empfiehlt er seine 25-jährige Enkelin Marion Maréchal-Le Pen als Spitzenkandidatin für die Region; sie wird später offiziell nominiert.

1. Mai: Es ist ein offener Affront: Bei der traditionellen Front-National-Veranstaltung zum 1. Mai in Paris drängelt sich Jean-Marie Le Pen just in dem Augenblick auf die Bühne, in dem seine Tochter eine Rede beginnen will. Der 86-Jährige reckt seine Fäuste in Siegerpose in die Höhe, lässt sich von den FN-Anhängern feiern und verbeugt sich, bevor er von der Bühne gebeten wird.

3. Mai: Marine Le Pen gibt sich "perplex" über den Vorfall vom 1. Mai. "Ich denke, das war ein boshafter Akt, das war mir gegenüber verächtlich", sagt sie mehreren französischen Medien. Zugleich kündigt sie an, Jean-Marie Le Pen solle künftig nicht mehr im Namen der Partei sprechen dürfen.

4. Mai: Das FN-Exekutivbüro suspendiert die Parteimitgliedschaft des 86-Jährigen. Über eine Änderung der Parteistatuten soll ihm zudem die Ehrenpräsidentschaft der Front National entzogen werden, darüber soll ein außerordentlicher Parteitag binnen drei Monaten entscheiden. Jean-Marie Le Pen spricht erbost von einem "Treuebruch" seiner Tochter und kündigt Widerstand gegen die Entscheidung des Exekutivbüros an.

5. Mai: In einem Radiointerview attackiert der Parteigründer seine Tochter erneut: Er spricht ihr wegen fehlender "moralischer Prinzipien" die Befähigung ab, französische Staatschefin zu werden. Er wünsche ihr deswegen auch nicht den Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2017.

Quelle: n-tv.de