Politik

"Fauler Zirkus namens Prozess" Soldaten-Familien empört über Todesurteil

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Kein Söldner: Der britische Kriegsgefangene Shaun Pinner ist mit einer Ukrainerin verheiratet.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Die zwei zum Tode verurteilten britischen Mariupol-Kämpfer werden von den Donezker Separatisten wie ausländische Söldner behandelt. Tatsächlich sind sie in der Ukraine verwurzelt. Ihre Familien sind schockiert vom Zynismus des russischen Schauprozesses.

Die Familie eines von prorussischen Separatisten zum Tode verurteilten Briten hat sich schockiert über das Urteil in der selbst ernannten Donezker Volksrepublik gezeigt. Das britische Außenministerium teilte im Auftrag der Angehörigen mit, die ganze Familie des 48-Jährigen sei "am Boden zerstört und betrübt über den Ausgang des illegalen Schauprozesses durch die sogenannte Volksrepublik Donezk".

Als ukrainischem Einwohner und unter Vertrag stehendem Marinesoldaten sollten ihm alle Rechte eines Kriegsgefangenen gemäß der Genfer Konvention gewährt werden, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur PA in der Erklärung. Dazu zähle auch eine vollständig unabhängige Rechtsvertretung.

Aiden Aslin und Shaun Pinner wurden am Donnerstag vom Obersten Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) zusammen mit Brahim Saadoun, einem Marokkaner, nach einem "Schauprozess" wegen Terrorismus verurteilt. Sie waren im April in Mariupol festgenommen worden. Der 28-jährige Aslin ist ein ehemaliger Pfleger aus Newark, lebt seit 2018 in der Ukraine, seine Verlobte ist Ukrainerin, er selbst hat britischen Medienberichten zufolge die britische und die ukrainische Staatsbürgerschaft. Der 48-jährige Pinner, ein ehemaliger britischer Soldat aus Bedfordshire, ist vor vier Jahren in die Ukraine gezogen und hat eine ukrainische Ehefrau.

"Russische Propaganda nützt Fall aus"

Beamte des Auswärtigen Amtes in London betonten laut "Times", dass die Ukraine die Verhandlungsführung übernehmen müsse, um die Freilassung der Männer zu erreichen, da sie Angehörige der ukrainischen Armee waren. Man befürchtet in London, dass es Moskau dabei helfen würde, zu behaupten, die Männer seien "Söldner", die nach internationalem Recht keinen Anspruch auf Schutz hätten, wenn ihr Fall zu einem Streitpunkt zwischen Großbritannien und Russland gemacht würde.

Auf Facebook drückte Pinners ukrainische Frau Larysa ihre Frustration über die "Absurdität und den Zynismus dieses faulen und falschen Ereignisses namens 'Prozess'" aus. "Wir alle verstehen auch, dass die russische Propaganda diesen Fall voll ausnutzt, und dieser Zirkus wird noch lange weitergehen", schrieb sie.

Diana Okovyta, Aslins Verlobte, reiste inzwischen nach London. In der Nacht zum Samstag postete sie in den sozialen Medien: "Ich wünschte, sie wüssten, dass sie nicht vergessen sind, sie sind nicht allein, sie sind nicht verlassen und werden nicht verlassen. Ich hoffe, dass sie es trotzdem tief in ihrer Seele wissen und fühlen." An ihren Verlobten gerichtet schrieb sie: "Ich glaube, dass wir bald in den Zeitungen Bilder von dir sehen werden, auf denen du lächelst."

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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