Politik

An Schutzwirkung anpassen Spahn für verkürzte Gültigkeit des Impfzertifikats

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Bundesgesundheitsminister Spahn will das digitale Impfzertifikat an die "tatsächliche Schutzwirkung" der Covid-19-Impfstoffe anpassen.

(Foto: imago images/photothek)

Bisher sind digitale Impfzertifikate ein Jahr lang gültig. Doch die Wirkung der Vakzine lässt früher nach. Geht es nach dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, soll daher die Gültigkeit verkürzt werden. Und das möglichst EU-weit einheitlich.

Die bislang auf ein Jahr angelegte Gültigkeitsdauer des digitalen Corona-Impfzertifikats soll laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verkürzt werden. Da der Impfschutz nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nach einigen Monaten nachlasse, stehe nun eine Entscheidung darüber an, "dass dieses digitale Impfzertifikat angepasst wird an die tatsächliche Schutzwirkung", sagte der CDU-Politiker bei einer Digital-Veranstaltung seines Ministeriums in Berlin.

Die Verkürzung werde aber "nicht über Nacht" erfolgen, beteuerte Spahn. "Wir werden das so machen, dass jeder seine Auffrischimpfung hat kriegen können, um das Zertifikat zu verlängern." In der Frage der Verkürzung strebe er eine EU-weit abgestimmte Regelung zur Geltungsdauer des Digitalnachweises an.

Die bislang ausgestellten Impfnachweise, die etwa per Handy-App gespeichert und vorgezeigt werden können, sind auf zwölf Monate befristet. Diese Frist beginnt zwei Wochen nach der Zweitimpfung. Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass der Impfschutz nach etwa sechs Monaten nachlässt - deshalb wird zu diesem Zeitpunkt eine Booster-Impfung empfohlen.

Welche Gültigkeitsdauer die Impfpässe künftig haben sollen, wird nach Worten von Lothar Wieler, dem Chef des Robert-Koch-Instituts, derzeit beraten. In der Diskussion sei dabei eine Regelung mit Übergangsfristen, sagte Wieler bei der Veranstaltung mit Spahn. Der RKI-Chef sagte zu, die Neuregelung rechtzeitig zu kommunizieren.

Zwei Milliarden Impfdosen bestellt

Zudem hält Spahn die Versorgung mit Corona-Impfstoff auch dann für gesichert, falls sich die Virusvariante Omikron in Europa ausbreitet. Die EU habe für die kommenden beiden Jahre insgesamt zwei Milliarden Impfdosen bestellt - diese Bestellmenge sei auch dann gesichert, wenn der Impfstoff zum Kampf gegen die Omikron-Variante verändert werden müsse, sagte Spahn. "Wir haben Produktionskapazitäten, falls man den Impfstoff anpassen müsste", so der Minister. "Das ist genug, um Europa fast fünf Mal zu impfen."

Der Immunologie-Professor Leif Erik Sander von der Berliner Charité zeigte sich zuversichtlich, dass die vorhandenen Impfstoffe bei Bedarf rasch an die Omikron-Variante angepasst werden können. "Wir sind optimistisch, dass wir bei so einer Variante nicht bei Null anfangen", sagte er bei der Veranstaltung. Das Immunsystem des Menschen sei "so aufgebaut, dass es gegen viele Teile im Virus Immunität aufbaut" - damit könne es auch gegen Mutationen wirksam sein, sagte der Mediziner. Ob dies bei Omikron der Fall sei, werde derzeit "auf Hochtouren" erforscht.

Spahn appellierte an die Bürger, nicht bereits zwei oder drei Monate nach der Zweitimpfung eine sogenannte Booster-Impfung zu verlangen. Solche Anfragen seien ein zunehmendes Problem in ohnehin stark belasteten Arztpraxen. Diesen Trend bestätigt Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands. Auffrischimpfungen sollten sechs Monate nach der Zweitimpfung erfolgen. Einige Bundesländer bieten sie bereits nach fünf Monaten an.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/rts

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