Politik

Trotz Spuck-Attacke Spahn hat Verständnis für Unmut

Der Protest gegen Spahns Corona-Politik wird lauter. Erst in der vergangenen Woche ist der Gesundheitsminister bei einem Auftritt gestört worden. In Bergisch Gladbach wird der CDU-Politiker an diesem Wochenende sogar bespuckt. Nichtsdestotrotz zeigt sich der Minister verständnisvoll.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seine politischen Entscheidungen im Kampf gegen das Coronavirus verteidigt, zugleich aber auch Verständnis für Unmut geäußert. Im Interview mit ntv sagte er am Vormittag in Essen: "Ich verstehe, wenn es Ärger gibt, wenn es Frust und Nachfrage gibt, es ist ganz normal, dass es auch andere Ansichten gibt."

Nach Beschimpfungen und einer Spuck-Attacke auf ihn in den letzten Tagen ergänzte Spahn: "Ich erlebe, dass es durchaus auch Gegner der Corona-Politik gibt, aber auch Menschen, die einfach Sorge haben, weil sie im Alltag erleben, dass es um wirtschaftliche Existenzfragen geht oder Eltern, die sich sorgen wegen der Maskenpflicht im Unterricht. Das muss man unterscheiden."

Der Minister betonte in dem Interview aber auch, dass Dialogbereitschaft eine Voraussetzung für die Auseinandersetzung sei. "Es geht ja nicht um absolute Wahrheiten, sondern es geht um das Abwägen von Sicherheit, Gesundheitsschutz. Dabei finde ich aber wichtig, miteinander zu reden, und sich nicht gegenseitig niederzuschreien. Das ist nicht die Form von Dialog, die weiterhilft. Wir sollten versuchen, immer wieder ins Gespräch zu kommen. Das Angebot mache ich und das bleibt. Aber zum Gespräch gehört die Bereitschaft auf beiden Seiten dazu."

"So ein Umgang geht gar nicht"

Die zuständige Kreispolizei in Bergisch Gladbach machte zunächst keine Angaben zu der Spuck-Attacke, kündigte aber eine Mitteilung an. Erst in der vergangenen Woche war Spahn bei einem Auftritt in Wuppertal gestört worden. Laut Polizei wird gegen eine Frau und einen Mann, die den Wagen des Ministers blockiert haben sollen, ermittelt. Die Behörden ermitteln auch wegen einer nicht angemeldeten Versammlung gegen Unbekannt: Laut Polizei hatten sich zunächst rund 20, später etwa 50 Menschen eingefunden, die lautstark gegen Spahns Corona-Politik protestierten.

Außenminister Heiko Maas kritisierte die verbalen Angriffe und Attacken auf seinen Kabinettskollegen deutlich. "Wie Jens Spahn angeschrien und angespuckt wird, ist unsäglich. Wer für sich in Anspruch nimmt, für Freiheit zu demonstrieren, sollte anderen auch die Freiheit lassen, sich zu erklären", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "So ein Umgang geht gar nicht. DemokratInnen kämpfen mit Argumenten, nicht mit Beleidigungen."

Quelle: ntv.de, jki/dpa