Politik

Bestellung auch ohne EU Spahn offen für Sputnik-V-Alleingang

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Jens Spahn steht einem Einsatz von Sputnik V offen gegenüber, sofern die entsprechenden Daten vorliegen.

(Foto: dpa)

Wegen der anhaltenden Impfstoffknappheit richtet sich der Blick von Bund und einzelnen Ländern inzwischen verstärkt auf Sputnik V. Gesundheitsminister Spahn kann sich einen schnellen Einsatz des russischen Vakzins in Deutschland gut vorstellen - notfalls auch ohne auf Europa zu warten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kann sich einen nationalen Alleingang bei der Bestellung des russischen Impfstoffs Sputnik V vorstellen. Man sei auf verschiedenen Ebenen in engem Austausch mit der russischen Seite, sagt der CDU-Politiker. "Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir Verträge schließen - auch zügig schließen." Voraussetzung sei aber, dass man Klarheit über die verfügbaren Mengen haben müsse. "Ich bin tatsächlich sehr dafür, dass, wenn die Europäische Union da jetzt nicht auch was macht, dass wir es dann national machen."

Zudem müsse es in der EU zunächst zur Verimpfung zugelassen werden. Dazu müsse die russische Seite noch Daten liefern: "Sobald ausreichend Datenpakete da sind, ist eine ordentliche Zulassung schnell möglich", sagte Spahn. Gegen den russischen Impfstoff gab es anfangs Vorbehalte seitens der Prüfbehörden - vor allem aufgrund fehlender klinischer Daten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach räumte ein, dass dies ein "Schönheitsfehler" sei. "Die in der Publikation berichtete Rate von Nebenwirkungen erscheint Spezialisten sehr unrealistisch niedrig", so der SPD-Politiker.

Voraussetzung für eine schnelle Zulassung sei aber, "dass wir erstmal wissen, über welche Mengen und über welche Verfügbarkeiten wir reden", ergänzte der Minister. Wenn über diese Fragen Klarheit herrsche, ließen sich auch Verträge schließen. Lauterbach plädierte dafür, "mit dem russischen Impfstoff umzugehen wie mit jedem anderen". Der Aufbau von Produktionskapazität und ein früher Einkauf (schon vor einer Zulassung) seien wichtig.

Ramelow: "Vorverträge machen"

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Zuvor hatte sich auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow für eine baldige Vorbestellung von Sputnik V ausgesprochen. "Es ist notwendig, dass wir auch dieses Vakzin einfach in Anspruch nehmen", sagte er am Morgen der ARD. "Ich persönlich plädiere auch dafür, dass die Bundesregierung jetzt die Vorverträge für Sputnik V fertig macht". Nach Einschätzung des Ministerpräsidenten dürfe Deutschland mit der Bestellung nicht erst auf die Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) warten.

Mit den Verantwortlichen in Russland stehe er bereits in Kontakt, betonte Ramelow. "Es liegt mir eine Offerte vor, die mir der Oberbürgermeister von Weimar vermittelt hat." Das Präparat ist nach russischen Angaben bereits in fast 50 Ländern zugelassen - darunter ohne EMA-Zulassung im EU-Land Ungarn. "Es geht darum, dass wir viel mehr Vakzine brauchen", sagte Ramelow.

Quelle: ntv.de, jug/rts

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