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AfD bei sechs Prozent Spieler zocken im Internet mit Wahlergebnis

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Zocken mit Steinbrück und Merkel - das tun gerade Tausende im Netz.

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Fußballwetten kann ja jeder. Nun, so kurz vor der Bundestagswahl, pilgern Zocker zu Politik-Wettportalen. Dort setzen sie kostenlos auf Wahlergebnisse oder handeln gegen Geld mit Aktien der Parteien. Die Anbieter versprechen sich nicht nur Gewinne - sondern auch genauere Wahlprognosen.

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Das TV-Duell trieb die Nutzerzahlen der Wettportale in die Höhe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mal ehrlich, in den meisten von uns steckt doch der Geist eines Zockers oder einer Zockerin. Im Bundestagswahlkampf kann dieser nun befriedigt werden, denn Spieler können auch auf Parteien und Kandidaten Wetten abschließen. Neu ist das nicht: In den USA sind Politikwetten seit Jahren verbreitet. Nun setzt sich der Trend auch in Deutschland durch.

Auf Internetportalen wie wahlfieber.de oder prognosys.de tippen Spieler seit Wochen auf Kandidaten, spekulieren mit Parteiaktien oder setzen auf die Ergebnisse der Bundestagswahl am 22. September. Auf Wahlwette.net haben bereits rund 20.000 Besucher ihre Tipps abgegeben.

"Nach dem TV-Duell ist die Zahl explosionsartig in die Höhe geschossen", sagt Rolf Kepper, der die Wahlwette-Seite schon zur Bundestagswahl 2009 initiiert hat. Je näher der Spieler mit seiner Wette an das Wahlergebnis kommt, desto höher sind seine Chancen auf einen Fernseher, einen Kurzurlaub oder eine Kiste Wein. Bei der Wahlwette ist die Teilnahme nach Angaben des Anbieters kostenlos.

Angeblich besser als die Meinungsforscher

Auf dem Wahlbörsenportal der Prognose-Firma Prognosys können Zocker seit mehr als zehn Jahren bares Geld auf die Parteien setzen. 250 Spieler handeln derzeit lebhaft mit Politik-Wertpapieren. Sind die SPD-Aktien unterbewertet? Müssen CDU-Papiere abgestoßen werden?

Wie auf dem Frankfurter Börsenparkett treiben Angebot und Nachfrage die Kurse der fiktiven Aktien - und damit die Prozentpunkte der Parteien. "Wir waren bisher in unseren Ergebnissen meist besser als die Meinungsforschungsinstitute", meint Geschäftsführer Walter Mohr.

Die Anbieter der Wettportale sind davon überzeugt, dass sie der klassischen Demoskopie damit Konkurrenz machen können. "Schwarmintelligenz" oder auch die "Klugheit der Masse" sind die Stichwörter. Die gewinngetriebenen Schätzungen der Spieler spiegeln ihrer Meinung nach die Wählerstimmung besser wider als die Umfragen der Meinungsforscher, die oft im Nachhinein noch gewichtet und bearbeitet würden.

Während die Demoskopen den Bürgern die berühmte Sonntagsfrage stellen, setzen Wahlbörsen und Wettseiten auf die gemeinsame Intelligenz vieler Menschen. "Man kann Kommunist und Fan einer Splitterpartei sein, und weiß trotzdem, dass sie keine 30 Prozent bekommt. Es geht bei uns um die Erwartung der Anderen", sagt Kepper.

AfD-Anhänger sind die größten Zocker

Die Politik-Börsianer handeln nicht nach politischen Überzeugungen, sondern setzen bares Geld aufs Spiel. "Viele zerbrechen sich den Kopf, wie die Wahl ausgeht. Am Ende kommt man zu einem gemeinsamen Bild", beschreibt Mohr das System Wahlbörse.

Auf seiner Börsenplattform rangiert die CDU-Aktie derzeit bei knapp 37 Prozent, bei Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen kommt die Partei auf 41 Prozent. Die SPD folgt mit einem Börsenkurs von 24 Prozent, rund zwei Prozentpunkte weniger als bei den Meinungsforschern. Die Aktie der Alternative für Deutschland (AfD) liegt mit fast sechs Prozent doppelt so hoch wie bei den Meinungsforschern. "Es spielen bei uns viele börsenaffine AfD-Sympathisanten mit", erklärt Mohr dieses Phänomen.

Die traditionellen Meinungsforschern sind unbeeindruckt von den Portalen, die mit ihnen in den Wettbewerb treten: "Uns ist völlig egal, was da auf den Markt kommt und versucht, mit uns zu konkurrieren", sagt Klaus-Peter Schöppner, Chef des Instituts TNS Emnid. In den Wahlbörsen tummele sich eine sehr eingeschränkte Zielgruppe.

"Selbst bei 100 000 Spielern ist es nicht repräsentativ für die Gesellschaft", meint auch der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst. Die Wahlbörsen lagen nach Ansicht von Probst aber relativ gut in den vergangenen Wahlen. Und auf die Demoskopen will er sich auch nicht verlassen. Die Institute vertuschten gerne, dass es eine Fehlertoleranz von bis zu drei Prozentpunkten gebe.

Viele Hintergründe zur Wahl finden Sie auf den Wahlseiten von n-tv.de.

Quelle: n-tv.de, dpa

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