Politik

Terrorgefahr weiter hoch Sri Lanka korrigiert Zahl der Anschlagsopfer

123e2564953aa8f002c4b2d6785e7e19.jpg

Angehörige beerdigen ein 13-jähriges Terroropfer - ein Todesopfer von 253.

(Foto: REUTERS)

Nach den verheerenden Anschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag befürchtete Sri Lanka mehr als 350 Todesopfer. Doch die Obduktion der Leichen ergibt nun etwas anderes.

Bei den Anschlägen am Ostersonntag in Sri Lanka sind nach offiziellen Angaben gut Hundert Menschen weniger getötet worden als bislang angenommen. Die Opferzahl sei nach Abschluss der Autopsien von 359 auf 253 korrigiert worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Während die Suche nach weiteren Verdächtigen intensiviert wird, bleiben die katholischen Kirchen im ganzen Land auf Anraten der Sicherheitsbehörden vorerst geschlossen.

Die Zahl der Toten wurde korrigiert, da nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehrere verstümmelte Leichen doppelt gezählt worden waren. Demnach wurden neben den Todesopfern nach den Anschlägen auf mehrere Hotels und christliche Kirchen auch 485 Verletzte in die Krankenhäuser eingewiesen. 149 von ihnen müssen weiterhin stationär behandelt werden. Unter den Opfern sind auch dutzende ausländische Touristen und Kinder.

Sri Lankas Sicherheitsbehörden nahmen bislang 75 Verdächtige fest. An der Suche nach weiteren Tätern und Hintermännern beteiligten sich Tausende Soldaten von Armee, Marine und Luftwaffe. Gleichzeitig wurden alle Drohnenflüge verboten und Pläne verschoben, während der Nebensaison ab Mai die Visapflicht für 39 Staaten aufzuheben.

Großbritannien und Israel warnten vor Reisen nach Sri Lanka. Die Anschlagsgefahr sei weiterhin hoch, erklärte das Außenministerium in London. Israel rief alle Bürger auf, Sri Lanka schnellstmöglich zu verlassen oder geplante Reisen dorthin nicht anzutreten. Das Anti-Terror-Amt des israelischen Ministerpräsidenten sprach von einer "erhöhten konkreten Gefahr" - die Bedrohung wurde auf Stufe vier von fünf eingeschätzt.

Indien warnte mehrfach vor Anschlägen

Die Regierung in Colombo macht die einheimische Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich, geht aber davon aus, dass sie ausländische Unterstützung gehabt haben muss. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Im Westen Sri Lankas suchten Hunderte Muslime aus Angst vor Racheakten und Einschüchterungen Schutz in Moscheen und einer Polizeistation, teilten Menschenrechtsaktivisten mit.

Regierung und Behörden stehen unter großem Druck, da es im Vorfeld der Anschläge konkrete Hinweise und Warnungen gegeben hatte und diese von Sicherheitsbehörden nicht weitergegeben wurden. Der höchste Beamte des Verteidigungsministeriums musste nun seinen Posten räumen. Hemasiri Fernando habe dem Präsidenten sein Rücktrittsschreiben übergeben, sagte ein Ministeriumsvertreter.

Nach Angaben eines indischen Sicherheitsvertreters warnte Indien seinen Nachbarn mehrfach vor möglichen Selbstmordanschlägen auf Kirchen und die indische Botschaft, zuletzt zwei Wochen vor Ostersonntag. Die Hinweise stützten sich demnach auf Erkenntnisse aus einer Razzia im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, bei der sieben Verdächtige festgenommen und mehrere Dokumente beschlagnahmt wurden.

Indischen Medienberichten zufolge ging die erste Warnung bereits im vergangenen Dezember an die Behörden in Sri Lanka. Laut dem indischen Vertreter enthalten Videos "Drohungen durch einen radikalen Anführer aus Sri Lanka, die auf mögliche Selbstmordanschläge schließen ließen". Den Medienberichten zufolge handelte es sich bei dem Mann um NTJ-Chef Zahran Hashim. Hashim steht im Zentrum des IS-Bekennervideos. Unklar ist aber bisher, ob er unter den mutmaßlichen Selbstmordattentätern war oder auf der Flucht ist.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

Mehr zum Thema