Politik

Nach Anschlägen an Ostersonntag Sri Lankas Regierung entlässt Polizeichef

Nach den verheerenden Selbstmordattentaten auf Sri Lanka zieht die Regierung erste Konsequenzen. Weil er wichtige Informationen nicht weitergegeben haben soll, wird der Polizeichef des Inselstaates gezwungen, zu kündigen. Auch ein weiterer Beamter muss zurücktreten.

Sri Lankas Regierung hatte bereits Fehler bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen vor den Anschlägen vom Ostersonntag eingeräumt. Jetzt hat sie erste Konsequenzen gezogen. Staatspräsident Maithripala Sirisena wies den Polizeichef des Inselstaates und einen hochrangigen Beamten im Verteidigungsministerium an, ihre Kündigungen einzureichen, wie sein Büro mitteilte. Präsident Sirisena hatte am Dienstagabend angekündigt, innerhalb von 24 Stunden die Führungen der Sicherheitsbehörden des Landes auszutauschen. Hinweise von ausländischen Geheimdiensten auf Anschlagspläne seien nicht an ihn weitergegeben worden, sagte er zur Begründung.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und in einer Wohngegend in Vororten Colombos. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte.

Attentäter stammen aus der oberen Mittelschicht

Die Zahl der Toten liegt nach aktuellen Polizeiangaben bei 359 - darunter sind laut Außenministerium 34 Ausländer, 14 werden noch vermisst. Auch ein Deutsch-Amerikaner ist tot, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Mehr als 400 Verletzte werden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. 60 Menschen sind in Gewahrsam, alle seien Sri Lanker.

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sagte, die meisten der Attentäter seien gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört. Sie hätten im Ausland studiert - einer von ihnen vermutlich in Großbritannien und Australien. Insgesamt seien neun Selbstmordattentäter an den Anschlägen beteiligt gewesen, darunter eine Frau. Acht von ihnen seien bislang identifiziert worden, sagte Wijewardene. Mögliche Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) würden geprüft.

Der IS hatte die Selbstmordanschläge für sich reklamiert. Die Echtheit der Nachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Als Täter macht Sri Lanka eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich, die aber Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müsse. Nach Einschätzung der Regierung waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht.

Nach Angaben von Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe waren noch einige Verdächtige auf der Flucht, manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. Mehrere verdächtige Gegenstände wurden in der Hauptstadt Colombo kontrolliert gesprengt. Es handelte sich aber um Fehlalarme.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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