Politik

"Das wird er nicht vergessen" Staatschefs sollen nicht zu früh gratulieren

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Europas Staatschefs sollen ihre Wetten auf den Gewinner der US-Präsidentschaftswahl 2020 nicht zu früh öffentlich machen, warnt Jean-Claude Juncker.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Der frühere EU-Toppolitiker Jean-Claude Juncker warnt die EU-Staatschefs, sich nicht zu schnell zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl zu äußern. Denn das könnte für Probleme sorgen.

Der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rät den europäischen Staats- und Regierungschefs dazu, keine allzu deutlichen Präferenzen für den Ausgang der US-Wahl zu äußern. Sich klar für einen Sieg von Amtsinhaber Donald Trump oder seines Herausforderers Joe Biden auszusprechen, sei aus seiner Sicht nicht zielführend, sagte Juncker dem ARD-Europastudio Brüssel. Sollte zum Beispiel Trump noch einmal Präsident werden, dann werde man auch mit ihm leben müssen.

Juncker warnte auch davor, schon Glückwünsche zu schicken, bevor das Wahlergebnis endgültig feststeht. Sollte es dann doch der andere werden, werde dieser das nicht vergessen. "Vorsicht ist die Mutter der transatlantischen Porzellankiste", sagte der 65-Jährige, der viele Jahre auch luxemburgischer Ministerpräsident war. In den USA wird an diesem Dienstag der Präsident gewählt.

Der Republikaner Trump bewirbt sich um eine zweite und letzte Amtszeit. Der Demokrat Biden will ihn im Weißen Haus ablösen. In dem von der Corona-Pandemie dominierten Wahlkampf haben sowohl Trump als auch Biden vor verheerenden Folgen gewarnt, sollte der jeweilige Gegenkandidat gewinnen. In der EU gilt beispielsweise der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban als Sympathisant Trumps. Vor allem vielen westeuropäischen Staats- und Regierungschefs wird allerdings eine klare Präferenz für Biden nachgesagt.

"Wollen die Brücke über den Atlantik erneuern"

Der deutsche Außenminister Heiko Maas sieht die Wahl als richtungsweisend für die Rolle der USA in der Welt. Er rief die amerikanische Politik zur Anerkennung des Wahlergebnisses auf. "In einer Demokratie gehört es natürlich dazu, bis in letzter Sekunde Stimmen zu gewinnen und Wähler zu überzeugen - um dann aber deren Willen zu respektieren", sagte Maas dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Die Verfassung und die Institutionen der USA hätten schon "so manchem Sturm getrotzt, das werden sie auch diesmal."

Die Wahl sei auch die Frage des 'Quo vadis' im transatlantischen Verhältnis, sagte Maas dem RND. "Einen Aufbruch zu alten Ufern wird es so oder so nicht geben. Die Frage ist, ob wir als transatlantisches Team wieder 'nach vorne' spielen." Der Wert der deutsch-amerikanischen Freundschaft sei den Menschen in Deutschland jedenfalls sehr bewusst, betonte Maas. "Unsere Botschaft nach Washington ist: Wir wollen die Brücke über den Atlantik erneuern. Wir werden in unsere Brückenpfeiler investieren."

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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