Politik

"Technik aus der Kaiserzeit" Stellwerksstörungen bei der Bahn häufen sich

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Nun heißt es geduldig warten: Die gefürchtete "Störung im Betriebsablauf" kommt häufiger vor als vor zehn Jahren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn ein Stellwerk versagt, sind Verspätungen im gesamten Netz die Folge. Das Verkehrsministerium muss nun einräumen, dass solche Störungen viel häufiger vorkommen als vor zehn Jahren. Der Modernisierungsstau kostet die Deutsche Bahn viel Geld und die Fahrgäste Nerven.

Bahnreisende, die wegen einer Stellwerksstörung ihren Anschluss verpassen, haben oft das Gefühl, dass früher bei der Bahn alles besser war. Neue Zahlen des Bundesverkehrsministeriums belegen, dass dieser Eindruck richtig ist. Die Zahl der Stellwerksstörungen im deutschen Schienennetz hat nach Informationen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) in den letzten Jahren immer weiter zugenommen. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, aus der das RND zitiert. Demnach gab es im Jahr 2019 rund 20 Prozent mehr Störungen als noch 2011.

Im laufenden Jahr erfasste die Deutsche Bahn laut Verkehrsministerium bis Anfang September bereits rund 9500 solcher Vorfälle. Im gesamten Vorjahr lag die Zahl der Stellwerksstörungen bei 14.459 - und damit auf einem neuen Höchststand, hieß es in dem Bericht. Noch im Jahr 2011 seien 11.978 Fälle gezählt worden, 2013 sogar nur 10.565, was die niedrigste Zahl der vergangenen zehn Jahre war. Seitdem wuchs die Zahl der Stellwerksstörungen kontinuierlich an.

Die FDP sieht als Ursache die veraltete Infrastruktur in Deutschlands Schienennetz. "Der Modernisierungsstau bei der deutschen Schieneninfrastruktur ist allgegenwärtig - egal ob bei Signalanlagen, Weichen oder auch Stellwerken, von denen allein in Mitteldeutschland noch 67 aus der Kaiserzeit stammen", sagte Torsten Herbst, FDP-Verkehrsexperte im Bundestag, dem RND. Die veraltete Technik verursache insgesamt eine hohe Störanfälligkeit und hohe Wartungskosten.

FDP für umfassende Digitalisierung

Allein eine umfassende Modernisierung des Netzes würde es laut FDP ermöglichen, ein Viertel mehr Züge in Deutschland einzusetzen. "Die technologische Vereinheitlichung und Digitalisierung macht nicht nur den Schienenverkehr verlässlicher und pünktlicher", so Herbst. "Sie erhöht auch die Kapazität des Netzes um bis zu 25 Prozent - ohne dass ein einziger Kilometer Gleis neu verlegt werden muss."

Die Deutsche Bahn betonte dem Bericht zufolge, dass die Mehrheit der Störungen vergleichsweise kurz anhalte. "Rund 97 Prozent der Störungen konnten in weniger als 24 Stunden behoben werden", hieß es. Hielten von den insgesamt 11.978 Stellwerksstörungen im Jahr 2011 noch 256 länger als 24 Stunden an, lag diese Quote 2019 bei 320 von insgesamt 14.459 Vorfällen. In diesem Jahr dauerten bis Anfang September 168 Stellwerksstörungen länger als einen Tag an.

Hinter dem Begriff "Stellwerkstörung" können sich unterschiedliche technische Probleme verbergen, etwa Probleme bei der Weichenumstellung, defekte Lichtsignale, verklemmte Barrieren oder andere fehlerhaft funktionierende Sicherheitsanlagen. Sie führen immer wieder zu teilweise erheblichen Einschränkungen und vor allem Verspätungen im Bahnverkehr.

Quelle: ntv.de, mau