Politik

"Strategische Top-Beratung"Reiche will Aufgaben des Ministeriums an Berater auslagern

02.04.2026, 23:29 Uhr
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Katherina-Reiche-CDU-Bundesministerin-fuer-Wirtschaft-und-Energie-spricht-bei-einer-Pressekonferenz-im-Bundeswirtschaftsministerium
Katherina Reiche will ihr Ministerium angesichts multipler Krisen "besser und agiler aufzustellen". (Foto: picture alliance/dpa)

Wirtschaftsministerin Reiche schreibt offenbar einen Millionenauftrag für externe Beraterfirmen aus. Diese sollen teils ministerielle Tätigkeiten übernehmen. Mitarbeiter ihres Ressorts werten dies als Misstrauensvotum.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will Kernaufgaben ihres Ministeriums laut dem "Spiegel" an externe Berater auslagern. Die Mitarbeitenden des Ministeriums könnten dies nicht selbst erfüllen, erklärte ein Sprecher gegenüber dem Magazin. Die Ausschreibung für eine "Rahmenvereinbarung strategische Top-Management-Beratung" für die Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) wurde bereits am 31. März veröffentlicht.

Die Bewerbungsfrist beträgt lediglich 14 Tage. Laut Leistungsbeschreibung soll das Unternehmen, das den Auftrag erhält, nicht nur klassische Berateraufgaben erfüllen. Es soll das Ministerium auch bei "prioritären Themenfeldern" unterstützen - darunter Rohstoffsicherheit, Zukunftstechnologien und Souveränität, außenwirtschaftliche Sicherheit oder industrielle Transformation.

Die Berater sollen dazu kurzfristig "Analysen und Diskussionspapiere zu aktuellen fachpolitischen Fragestellungen" erarbeiten. Gefordert werden auch "kurzfristige Ad-hoc-Beratung" sowie "Kurzanalysen, Steckbriefe, Handlungsempfehlungen und Präsentationsunterlagen". Zudem wünsche sich das Ministerium "umfassende schriftliche Ausarbeitungen", insbesondere "strategische Grundlagen, Handreichungen und Dokumentationen".

Solche Aufgaben "betreffen das Herzstück der Verwaltung" und seien teils "originäre ministerielle Kernaufgaben", zitierte der "Spiegel" einen namentlich nicht genannten Ministeriumsmitarbeiter. Die "Delegation ganzer Aufgabenpakete der Fachreferate an extrem teure externe Berater" sei demnach nicht nur "fragwürdig", sondern auch ein Zeichen von "Misstrauen in die eigene ministerielle Expertise". Ähnlich äußerte sich eine ehemalige Führungskraft des Wirtschaftsministeriums. Reiche wolle "klassische ministerielle Kernaufgaben" auslagern. Dies sei hochgradig ungewöhnlich und "ein klares Misstrauensvotum gegenüber dem Haus".

Beratung könnte über zwei Millionen Euro kosten

Ein Ministeriumssprecher erklärte gegenüber dem "Spiegel", Reiche wolle das Ministerium angesichts multipler Krisen "besser und agiler aufstellen". Es bestehe kein Zusammenhang mit den vielen offenen Stellen im Ministerium, über die mehrere Medien zuletzt berichtet hatten. Die ausgeschriebenen Leistungen seien keine, "die von Mitarbeitenden des BMWE erbracht werden können", verteidigte ein Sprecher die externe Beratung.

Den Beratungsbedarf veranschlagt das BMWE in der Ausschreibung auf 9000 Stunden pro Jahr. 60 bis 75 Prozent davon sollen von den Partnern - also den Chefs der beauftragten Agentur - oder von Senior Associates erbracht werden. Bei branchenüblichen Stundensätzen von 200 bis über 600 Euro könnten sich die Kosten auf mindestens rund zwei Millionen Euro summieren, rechnete das Magazin vor. Der Vertrag soll zwei Jahre laufen und eine Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre enthalten.

Quelle: ntv.de, bho

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