Politik

Weg von der großen Bühne Ströbele sagt dem Bundestag Adieu

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Hans-Christian Ströbele auf dem Weg zur Arbeit: Mit dem Fahrrad kommt er vor der Bundespressekonferenz an.

(Foto: dpa)

Seit 1998 sitzt Hans-Christian Ströbele im Bundestag, seitdem gibt er den Grünen ein markantes Gesicht. Bei der nächsten Bundestagswahl tritt er nicht mehr an - er wird seiner Partei fehlen, aber nicht nur ihr.

Hans-Christian Ströbele war immer eine Ausnahmeerscheinung und ist es noch, im Parlament sowieso, aber auch in seiner Partei. Seit 1998 sitzt er ununterbrochen für die Grünen im Bundestag, seit 2002 mit einem Direktmandat im Berliner Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain. Ströbele ist der einzige Grüne, dem dies je gelang. Er schaffte es vier Mal. Zuvor war er schon von 1985 bis 1987 im Bundestag.

Im September 2013 wurde der 77-Jährige, geboren am 7. Juni 1939, zum letzten Mal direkt gewählt. Schon da hatte es Zweifel gegeben, ob er es noch einmal will und macht. Ströbele war damals schon 74 Jahre alt, eine Krebserkrankung hatte ihn geschwächt. Doch dann sagte der hagere Mann mit den grauen Haaren und den buschigen Augenbrauen: "Ich will nicht nur von außen zusehen, sondern mitmischen." Das ist nun vorbei.

Aber Ströbele hatte - aus seiner Sicht gesehen - Glück mit der letzten Legislaturperiode. Denn die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden machten die Überwachungspraxis des US-Geheimdienstes NSA und anderer Dienste zum Riesenthema - und boten Ströbele noch einmal eine große Bühne.

Ströbele trifft Snowden

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Hans-Christian Ströbele mit seinem Wahlplakat für die Bundestagswahl 1998.

(Foto: dpa)

Im Oktober 2013 flog er nach Moskau, um Snowden dort zu treffen. Sichtbar genoss er die Aufmerksamkeit, die er damit erntete. Und die hielt an, als die Verwicklungen des BND in die NSA-Aktivitäten bekannt wurden: "Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass der BND in dem Ausmaß verheimlicht, irreführt, täuscht und lügt", sagte Ströbele später.

2002 wäre es mit seiner politischen Karriere fast schon vorbeigewesen. Nach vier Jahren im Bundestag verweigerte ihm seine Partei einen sicheren Listenplatz. Aber dem Alt-Linken gelang die Sensation: Er gewann seinen Wahlkreis direkt.

Geworben hatte er auch mit seiner entschlossenen Opposition gegen den damaligen Grünen-Außenminister Joschka Fischer. "Ströbele wählen, heißt Fischer quälen", hieß sein Slogan. Vor allem die Beteiligung am Kosovo-Krieg nahm er Fischer und der rot-grünen Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder übel.

"Aberwitzige politische Positionen"

Auch Ströbele war einmal bei der SPD, als Anwalt verteidigte er RAF-Terroristen, bei der Gründung der "taz" und der Alternativen Liste in Berlin war er dabei. Man darf ihn einen klassischen 68er nennen. Auch heute noch ist er Pazifist, aber an seine Zeit bei der Bundeswehr hat er nicht nur schlechte Erinnerungen: "Ich konnte schießen, mit der Kanone und der MP. Und ich habe getroffen", erzählte er im September der "Süddeutschen Zeitung" in einem gemeinsamen Interview mit Otto Schily.

Schily, als SPD-Innenminister verantwortlich für umstrittene Sicherheitspakete, nennt Ströbele heute einen "Altersradikalen", einen "Fundamentalisten mit aberwitzigen politischen Positionen". Und Ströbele selbst macht aus seinen Überzeugungen kein Hehl: "Die Revolution, die ich wollte, haben wir leider nicht erreicht. Wir wollten die Räterepublik, nicht eine Demokratie, in der die Bürger nur alle vier Jahre gefragt werden."

In seinem letzten Wahlkampf 2013 stand Ströbele mit lila Fahrrad auf Straßenfesten, an Ufern, auf dem Markt. Bei Demos in der ersten Reihe, die Haare immer etwas wild. Im Kreuzberger Kiez wird er gegrüßt, Menschen klopfen ihm auf die Schulter, als wäre er einer der ihren. Doch eigentlich wohnt Ströbele etwas entfernt, im Stadtteil Moabit - und ist auch dort manchmal in Cafés anzutreffen. In Zukunft womöglich noch öfter.

Quelle: ntv.de, Thomas Lanig, dpa