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USA verurteilen Militärgewalt Sudans Opposition lehnt Gespräche ab

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Am Montag war das Militär gewaltsam gegen die oppositionellen Demonstranten vorgegangen.

(Foto: dpa)

Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärs im Sudan mit bis zu 100 Todesopfern ist die Opposition misstrauisch - sie lehnt ein neues Gesprächsangebot ab. Ein Ende des Konflikts ist damit nicht in Sicht. Doch der internationale Druck wächst.

Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte im Sudan gegen Demonstranten mit bis zu 100 Todesopfern und Hunderten Verletzten ist die Lage im Land weiterhin gespannt. Nach massivem internationalen Druck erklärte sich die Militärführung in Khartum zwar gesprächsbereit und wollte mit der Opposition die Verhandlungen über die Bildung einer Übergangsregierung wieder aufnehmen. Doch die Opposition winkte zunächst ab. Washington verurteilte unterdessen das gewaltsame Vorgehen des Militärs und rief die Konfliktparteien zu neuen Gesprächen auf.

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In einer am Mittwochabend verbreiteten Erklärung sprach das US-Außenministerium den Opfern der Gewalt und deren Familien sein Mitgefühl aus. "Wir rufen den Militärrat und die (paramilitärischen) RSF-Einheiten zum Gewaltverzicht und zur erneuten Kontaktaufnahme mit den Freiheitskräften auf, mit dem Ziel eines von Zivilisten angeführten Übergangs, der zu zeitnahen Wahlen und zum freien Ausdruck des Willens der sudanesischen Menschen führt", heißt es darin.

Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärs gegen die Opposition zu Wochenbeginn stieg die Zahl der Toten bis Mittwoch auf rund 100. Das teilte eine Ärzteorganisation mit. Zudem seien mehr als 300 Menschen verletzt worden. Die genaue Zahl sei schwer festzustellen, da die Kommunikation mit Verletzten und Kliniken unter anderem durch das Abschalten des Internets in vielen Landesteilen sehr schwer sei. Die Vereinten Nationen teilten am Mittwoch mit, dass einige Mitarbeiter aus Khartum abgezogen würden. "Wir versetzen nicht unbedingt an diesem Standort benötigte Mitarbeiter vorübergehend", sagte eine UN-Sprecherin. Alle UN-Programme im Sudan würden aber weiterlaufen.

"Sehen keinen Weg zurück"

Am Mittwoch sagte der Sprecher des Militärrats, Abdel Fattah Burhan, der militärische Übergangsrat sei ohne Vorbedingungen zu Verhandlungen mit anderen Gruppen bereit. Man tue dies im Interesse des Landes und wolle vermeiden, dass der Sudan im Chaos versinke. Doch die sudanesische Opposition lehnte ab. "Wir sehen keinen Weg zurück zu Verhandlungen" mit dem militärischen Übergangsrat, sagte Madani Abbas Madani, Sprecher einer oppositionellen Dachorganisation. Allerdings hat in den vergangenen Tagen der internationale Druck auf beide Seiten zugenommen, an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Sudanesische Sicherheitskräfte hatten am Montag gewaltsam eine Sitzblockade in der Hauptstadt Khartum aufgelöst, die wochenlang andauerte und maßgeblich zum Sturz von Präsident Omar al-Baschir beigetragen hatte. Daraufhin hatte die Militärführung die Vereinbarungen mit der Opposition für eine friedliche Machtübergabe aufgekündigt, die Verhandlungen beendet und Wahlen binnen sieben Monaten angekündigt. Zuvor war die Rede von neun Monaten gewesen.

Al-Baschir war im April nach drei Jahrzehnten an der Macht von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seit dem Putsch ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Gespräche wurden kürzlich abgebrochen, da sich beide Seiten nicht einigen konnten, wer in der Regierung das Sagen haben sollte.

Für die Unterdrückung der Proteste machen viele nicht direkt das sudanesische Militär, sondern die berüchtigten Schnellen Einsatztruppen (RSF) verantwortlich. Die RSF sind offiziell eine Einheit der Streitkräfte, haben aber einen hohen Grad an Autonomie. Die RSF werden von Mohammed Hamdan Daglu (genannt Hemeti) geleitet, der inzwischen zweiter Mann im militärischen Übergangsrat ist.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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