Politik

Herrscher weicht nach Protesten Sudans Präsident al-Baschir zurückgetreten

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Al-Baschir räumt wohl seinen Posten.

(Foto: REUTERS)

Seit drei Jahrzehnten schon regiert Omar al-Baschir den Sudan. Nun scheint die Zeit des autoritären Herrschers abgelaufen: Der 75-Jährige ist Berichten zufolge zurückgetreten. Einiges deutet auf einen Militärputsch hin.

Sudans Präsident Omar al-Baschir ist Regierungskreisen zufolge zurückgetreten. Die Angaben wurden zudem von einem Minister der Provinz Nord-Darfur bestätigt. Adel Madschub Hussein sagte dem in Dubai ansässigen Fernsehsender Al Hadath ferner, es gebe Konsultationen, einen Militärrat einzurichten, der die Macht übernehmen solle. Mehrere Regierungsmitglieder, darunter der Verteidigungsminister, sollen festgenommen worden sein.

Damit mehren sich Hinweise auf einen Militärputsch. Armee und Sicherheitskräfte wurden rund um das Verteidigungsministerium, Hauptstraßen und Brücken in der Hauptstadt Khartum gesichtet. "Die Streitkräfte werden in Kürze eine wichtige Stellungnahme abgeben", kündigte das staatliche Fernsehen an, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. "Seien Sie bereit." Im staatlichen Radio wurden Märsche und patriotische Musik gespielt.

Der im Sudan gefürchtete Geheimdienst kündigte die Freilassung aller politischen Gefangenen an. Der Nationale Geheim- und Sicherheitsdienst habe erklärt, er lasse "alle seine politischen Gefangenen im ganzen Land frei", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Suna. Demonstranten stürmten unterdessen ein Gebäude der mächtigen Behörde in der Stadt Kasala im Osten des Landes, wie Augenzeugen berichteten.

Schüsse auf Demonstranten

Unterdessen füllten sich die Straßen im Zentrum der Hauptstadt Khartum mit Zehntausenden Menschen, wie ein Augenzeuge berichtete. Vor dem Verteidigungsministerium skandierten Demonstranten: "Wir haben gewonnen." In dem Land mit 40 Millionen Einwohnern gibt es seit Monaten Proteste gegen Präsident Al-Baschir, der seit 30 Jahren im Amt ist.

Auslöser der Proteste waren Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und andere Waren des Grundbedarfs. Die Demonstrationen spitzten sich seit dem Wochenende zu, Tausende Menschen versammelten sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte, die auch gleichzeitig die Residenz von Al-Baschir ist.

Die Sicherheitskräfte gingen teilweise mit scharfer Munition vor und töteten einem Ärzteverband zufolge mindestens 21 Demonstranten. Dabei stellten sich Angaben aus Khartum zufolge auch Teile der Streitkräfte auf die Seite der Demonstranten und lieferten sich Schusswechsel mit Sicherheitskräften.

Wegbruch des Südsudan

Al-Baschir hatte zunächst versucht gegenzusteuern: Im Februar verhängte er einen Ausnahmezustand, löste seine Regierung und die der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Dies entschärfte die Lage aber nicht.

Der Sudan ist einem UN-Index zufolge eines der 25 ärmsten Länder der Welt. Bis zur Abspaltung des Südsudans war die Wirtschaft stark vom Öl abhängig, dies machte der Weltbank zufolge die Hälfte der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Exporte aus. Doch 2011 verlor der Sudan die meisten Ölfelder. In diesem Jahr wird laut des Internationalen Währungsfonds IWF mit einem Wirtschaftswachstum von -2,3 Prozent gerechnet. In dem Land, das etwa fünf Mal größer ist als Deutschland, leben rund 41 Millionen Menschen.

Quelle: n-tv.de, shu/rts/dpa

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