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Abhängigkeit vom Wohnort Süddeutschland hinkt bei Inklusion hinterher

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Die Chance auf Inklusion hängt auch vom Förderbedarf ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer mehr Kinder mit Förderbedarf besuchen inzwischen Regelschulen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede und auch das Unbehagen gegenüber einer gemeinsamen Beschulung ist in vielen Klassenzimmern noch immer verbreitet.

In vielen Bundesländern lernen immer mehr Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen. Gingen 2008 noch 4,9 Prozent aller Kinder auf eine Förderschule, waren es im vergangenen Jahr nur noch 4,3 Prozent, wie aus einer Studie zum Stand der Inklusion in Deutschland im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. "Inklusion kommt an Deutschlands Schulen voran. Die Chancen von Förderschülern, eine Regelschule zu besuchen, hängen allerdings immer noch sehr vom Wohnort ab", sagt der Vorstandschef der Stiftung Jörg Dräger.

Bundesweit besuchen immer weniger Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen eine separate Förderschule. Eine Ausnahme bildet allerdings Süddeutschland: In Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gehen inzwischen wieder mehr Kinder auf eine Förderschule. In Ostdeutschland hingegen geht der Anteil der Kinder an Förderschulen erheblich zurück. Besonders wenig Schüler werden in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und in den Stadtstaaten in Förderschulen unterrichtet. Vor allem in Bremen sind es immer weniger. Die Quote der Schüler mit Lernhandicaps sank bundesweit von 2,1 auf 1,3 Prozent. Deutschland gelingt damit der Anschluss an internationale Standards: In vielen anderen Ländern werden Kinder mit Lernschwierigkeiten schon seit langem in Regelschulen unterrichtet.

Die Chance auf eine gemeinsame Beschulung hängt allerdings nicht nur vom Wohnort, sondern auch vom Förderbedarf ab. Denn einen bundesweiten Rückgang gibt es nur im Bereich Lernen. Kinder, deren Förderschwerpunkt auf der Sprache liegt, besuchen in elf Bundesländern 2017 häufiger eine Regelschule als früher. Für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige oder körperliche Entwicklung hat sich zwischen 2008 und 2017 wenig verändert. Schüler mit einem sozial-emotionalen Handicap gehen heute sogar häufiger auf eine Förderschule als noch vor neun Jahren.

Standards für die Umsetzung

Die grundsätzlich positive Entwicklung sei auch der Leistung der Lehrkräfte zu verdanken, so Dräger. "Die Inklusion ist vor allem durch die Aufnahmen von Schülern mit Lernschwierigkeiten in die Regelschulen vorangekommen. Allerdings werden vielerorts die Lehrkräfte noch zu wenig dabei unterstützt, mit dieser steigenden Heterogenität in den Klassenzimmern umzugehen." Die Schulen bräuchten jetzt dringend mehr sonderpädagogische Kompetenz und Fortbildung für die Lehrkräfte, um den unterschiedlichen Schülern besser gerecht zu werden.

Um die regionalen Unterschiede bei der gemeinsamen Beschulung in Deutschland zu verringern, plädiert Dräger auf bundesweit einheitliche Qualitätsstandards. Impulse dafür könnten vom geplanten nationalen Bildungsrat kommen. In Zusammenarbeit mit den Bundesländern könnte dieser beispielsweise gemeinsame Standards für die Umsetzung entwickeln.

Quelle: n-tv.de, jki

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