Politik

Israels Angriffe töten fast 500Syrien will Libanon bei Hisbollah-Entwaffnung unterstützen

09.03.2026, 20:42 Uhr
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Al-Scharaa zeigte demnach seine volle Unterstützung für "die ernsthaften und entschlossenen Schritte, die die Regierungen des Iraks und des Libanon unternommen haben, um ihre Nationen vor der anhaltenden Gewalt zu schützen." (Foto: picture alliance/dpa)

Bisher konnte sich Syrien zum Großteil aus dem sich stetig weiter eskalierenden Iran-Krieg heraushalten. Übergangspräsident al-Scharaa bemüht sich, dass das so bleibt.

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat dem Libanon seine Unterstützung bei der Entwaffnung der pro-iranischen Hisbollah zugesichert. Das sagte er in einer Videokonferenz mit EU-Vertretern und anderen Staats- und Regierungschefs der Region, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete.

Al-Scharaa zeigte demnach seine volle Unterstützung für "die ernsthaften und entschlossenen Schritte, die die Regierungen des Iraks und des Libanon unternommen haben, um ihre Nationen vor der anhaltenden Gewalt zu schützen".

Die gegenwärtige Eskalation stelle eine existenzielle Bedrohung für die gesamte Region dar. Syrien habe sich mit regionalen Partnern abgestimmt, um ein Übergreifen des Konflikts auf syrisches Territorium zu verhindern. In diesem Zusammenhang habe die syrische Armee ihre Präsenz entlang der libanesischen und irakischen Grenzen verstärkt.

Die gestürzte Regierung von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad war ein enger Verbündeter der pro-iranischen Hisbollah. Die neue Führung bemüht sich seit ihrem Machtantritt, den Einfluss Irans - einem weiteren wichtigen Verbündeten Assads - im Land zu unterbinden.

Hunderte Tote, Hunderttausende auf der Flucht

Der libanesische Staat steht selbst unter Druck, eine Entwaffnung der Hisbollah durchzusetzen. Derzeit beschießen sich die Hisbollah und Israel wieder gegenseitig. Darunter leidet vor allem die libanesische Zivilbevölkerung. Besonders im Süden des Libanons greift Israels Militär dabei erneut massiv an, Hunderttausende sind auf der Flucht.

Seit Ausbruch der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah sind im Libanon nach Behördenangaben fast 500 Menschen getötet worden. 486 Menschen seien seit vergangenem Montag getötet und 1.313 weitere erletzt worden, teilte die Katastrophenschutzeinheit der Regierung in Beirut mit.

Nach erneutem Raketenbeschuss der Hisbollah auf Israel greift das israelische Militär wieder massiv in den Einflussgebieten der Schiitenorganisation im Libanon an. Unter Beschuss stehen vor allem die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut, große Teile im Südlibanon und weitere Gebiete im Osten des Landes. Unter den Toten sind nach Behördenangaben auch Dutzende Kinder.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas fordert von Israel ein Ende der Militäroperationen im Libanon. Israel habe nach den jüngsten Angriffen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz das Recht auf Selbstverteidigung, erklärte sie in Brüssel. Die Vergeltung führe aber zu Massenvertreibungen und destabilisiere eine ohnehin fragile Lage zusätzlich. Die harte Reaktion berge die Gefahr, den Libanon und seine Bevölkerung in einen Krieg hineinzuziehen, der nicht der ihre sei - mit schwerwiegenden humanitären Folgen.

"Diplomatie und eine Rückkehr zur Waffenruhe bieten die beste Chance, den Libanon vor einem Abgleiten ins Chaos zu bewahren", fügte Kallas hinzu. Es gelte nun vorrangig zu verhindern, dass es weitere Tote, Vertreibungen und eine regionale Eskalation gebe. Zudem müssten auch die Souveränität und territoriale Unversehrtheit des Libanon geachtet werden. "Israel sollte seine Operationen im Libanon einstellen", forderte Kallas.

Quelle: ntv.de, toh/dpa

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