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Dritter Anlauf in Hessen TSG soll den Absturz der SPD stoppen

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(Foto: dpa)

Die Ausgangslage ist widersprüchlich: Einerseits muss die SPD fürchten, auch bei der Wahl in Hessen ein schlechtes Ergebnis zu erzielen. Andererseits kann sie hoffen, mit Thorsten Schäfer-Gümbel künftig den Ministerpräsidenten zu stellen.

Nach der Pleite in Bayern muss SPD-Chefin Nahles hoffen, dass die hessische SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel zumindest ein akzeptables Ergebnis erzielt. Ansonsten hätten alle drei ein Problem: die SPD, Nahles und TSG.

Bereits zum dritten Mal stellt sich Thorsten Schäfer-Gümbel als Spitzenkandidat der hessischen SPD zur Wahl. Bei der Landtagswahl in anderthalb Wochen geht es für ihn daher nicht nur darum, für seine SPD nach dem Desaster bei der Wahl in Bayern darum, den beispiellosen Absturz in der Wählergunst zu stoppen - sondern auch um die eigene politische Zukunft. Einfach war es für den 49-Jährigen allerdings nie, seit er an der Spitze der hessischen SPD steht.

Der Mann mit dem sperrigen Doppelnamen, den viele nur "TSG" nennen, demonstriert trotz des Sturzes der Bayern-SPD unter die Zehnprozentmarke bei der Wahl am vergangenen Sonntag Zuversicht für den Urnengang in Hessen: "Das ist eine bittere Niederlage, aber wir merken in vielen Gesprächen, dass die Situation in Hessen anders ist", sagte Schäfer-Gümbel im Hessischen Rundfunk.

Tatsächlich liegt die SPD in Umfragen in Hessen deutlich über 20 Prozent, damit allerdings noch immer weit von früheren Werten entfernt und deutlich hinter der CDU. Schäfer-Gümbel geht nicht zum ersten Mal unter schwierigen Bedingungen in eine Landtagswahl. Sein Aufstieg in der SPD begann sogar mit einer historischen Niederlage. Bei seinem ersten Anlauf als Spitzenkandidat stürzten die Sozialdemokraten im Jahr 2009 auf ein Rekordtief von 23,7 Prozent.

Es galt bei den damaligen vorgezogenen Neuwahlen als Notkandidat, nachdem seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti mit dem Versuch gescheitert war, eine von den Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden. Doch Schäfer-Gümbel nutzte seine Chance. Er übernahm den Fraktions- und Parteivorsitz von Ypsilanti und erarbeitete sich in den folgenden Jahren Respekt. Ihm gelang es, die nach dem Debakel um die gescheiterte Regierungsbildung schwer erschütterte SPD aufzurichten und zu einen.

2013 machten die Grünen ihm einen Strich durch die Rechnung

"Die ersten Tage und Wochen nach der Wahl waren trotzdem nicht schön", sagt er rückblickend. Zumindest ein Achtungserfolg gelang ihm bei der Landtagswahl im Jahr 2013, als die SPD auf 30,7 Prozent der Stimmen kam und sich damit deutlich verbesserte. Doch in die Regierung konnte Schäfer-Gümbel seine Partei nicht führen. Stattdessen bildete Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) eine schwarz-grüne Landesregierung.

Nun steht also der dritte Anlauf für Schäfer-Gümbel als Spitzenkandidat an. Seit 2003 sitzt der im bayerischen Oberstdorf geborene Sozialdemokrat im Wiesbadener Landtag, seit 2009 ist der verheiratete Vater von drei Kindern Fraktions- und Parteivorsitzender der SPD.

Bereits als Jugendlicher trat er 1986 in die Partei ein. Er wuchs in einem Arbeiterviertel in Gießen auf und konnte als einziges von vier Geschwisterkindern Abitur machen. Sein Realschullehrer schlug ihn für das Gymnasium vor. Er studierte Agrar- und Politikwissenschaft und arbeitete zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Nach seinem zunächst für viele überraschenden Aufstieg in der SPD ist Schäfer-Gümbel inzwischen die unumstrittene Nummer eins des Landesverbands. Auch in der Bundes-SPD gehört er längst zur Führungsriege. Seit 2013 ist er stellvertretender Vorsitzender der SPD. Chancen auf eine Regierungsbeteiligung nach der Wahl in Hessen hätte er nun laut Umfragen in einer Koalition unter CDU-Führung oder - zumindest rechnerisch - an der Spitze einer rot-grün-gelben oder rot-rot-grünen Koalition.

Zunächst aber muss SPD-Chefin Andrea Nahles für die Landtagswahl am 28. Oktober hoffen, dass die hessische SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Schäfer-Gümbel nach der Bayern-Pleite zumindest ein akzeptables Ergebnis erzielt. Ansonsten steht nicht nur die politische Karriere ihres Stellvertreters am Scheideweg, sondern auch ihre eigene. Obwohl Schäfer-Gümbel schon viele Höhen und Tiefen in der SPD erlebte, dürfte diese Wahl für ihn und seine Partei die wichtigste der vergangenen Jahre sein.

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Quelle: n-tv.de, Annalena Dörner und Carsten Hauptmeier, AFP

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