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Regierungstruppen erobern Kundus Taliban kündigen weitere Angriffe an

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Ein afghanischer Polizist im zurückeroberten Kundus.

(Foto: REUTERS)

Vor zwei Jahren zog sich die Bundeswehr aus Kundus zurück, jetzt gleicht die Stadt einem Schlachtfeld, Leichen säumen die Straßen. Immerhin: Den afghanischen Truppen gelingt es, die Taliban zu vertreiben. Doch es könnte nur eine kurze Atempause sein.

Drei Tage nach der Eroberung von Kundus durch die Taliban haben afghanische und ausländische Truppen die Aufständischen aus dem Zentrum der nordafghanischen Provinzhauptstadt vertrieben. "Wir haben die Stadt Kundus zurückerobert", sagte der amtierende Provinzgouverneur Hamdullah Daneschi.

"In manchen Gegenden in der Stadt wird noch sporadisch geschossen, weil sich einige Taliban in Wohnhäusern versteckt haben", sagte er. Daneschi sagte, an der Offensive zur Rückeroberung von Kundus hätten 600 bis 700 afghanische Sicherheitskräfte teilgenommen. An dem Bodeneinsatz seien auch ausländische Truppen beteiligt gewesen, die außerdem mit Luftangriffen unterstützt hätten.

Taliban kündigen neuen Angriff an

Die Aufständischen bestätigten, dass sie sich zurückgezogen hätten, kündigten zugleich jedoch einen erneuten Angriff an. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: "Wir haben uns letzte Nacht zurückgezogen, weil sich ausländische Truppen an den Kämpfen beteiligten." Man werde die Stadt nun erneut angreifen und versuchen, bis zum Flughafen am Stadtrand vorzudringen.

Die Bilanz der bisherigen Kämpfe in Kundus fällt blutig aus: 136 Taliban-Kämpfer wurden den Angaben zufolge getötet. Darunter seien neben Afghanen auch Pakistaner, Araber und Tschetschenen gewesen. 60 Taliban-Kämpfer sollen verwundet worden sein. Zur Opferzahl der afghanischen Sicherheitskräfte konnte Daneschi keine genauen Angaben machen.

Ein Anwohner namens Schukrollah berichtete, im Stadtzentrum seien die Taliban-Flaggen abgenommen und wieder die Nationalflagge gehisst worden. Auf den Straßen lägen zahlreiche Leichen von Taliban-Kämpfern.

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus hatten die radikalislamischen Taliban die Stadt zu Wochenbeginn überrannt. Kundus war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde. Zwischenzeitlich hatten die Taliban die Regierungstruppen bis zum Flughafen am Stadtrand zurückgedrängt, wohin auch Provinzgouverneur Daneschi geflohen war.

US-Soldaten unterstützten Afghanen

Die Leitung der Nato-geführten Ausbildungsmission "Resolute Support" teilte am Mittwochabend mit, Spezialkräfte der "Koalitionstruppen", darunter auch US-Soldaten, hätten die afghanischen Sicherheitskräfte am Flughafen beraten und unterstützt. Am Dienstag und Mittwoch hätten US-Streitkräfte insgesamt fünf Luftangriffe in Kundus geflogen.

Daneschi sagte am Donnerstag per Telefon: "Ich spreche vom Sitz des Gouverneurs aus zu ihnen. Ich war auch im Polizei-Hauptquartier. Alles ist unter Kontrolle der Sicherheitskräfte." Eine am nördlichen Stadtrand gelegene Militärbasis, die die Taliban am Mittwoch erobert hatten, sei bombardiert worden.

Präsident Aschraf Ghani enthob den Gouverneur von Kundus, Mohammad Omar Safi, seines Amtes. Safi hatte sich während der Krise im Ausland aufgehalten. Vizegouverneur Daneschi sei per Dekret des Präsidenten zum amtierenden Gouverneur ernannt worden, sagte ein Sprecher Ghanis.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa

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