Politik

Ein Toter, viele Verletzte Taliban verüben Anschlag in Kabul

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Über dem Zentrum der afghanischen Hauptstadt steigt am Morgen eine Rauchwolke empor.

(Foto: dpa)

Kurz nach Beginn der neuen Friedensgespräche detoniert in Afghanistans Hauptstadt Kabul eine Autobombe. Dabei werden mehrere Personen getötet. Zu der Attacke bekennen sich die radikalislamischen Taliban.

Bei einem Anschlag der radikalislamischen Taliban in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Montag mindestens drei Menschen getötet und 116 weitere verletzt worden. Nach Krankenhausangaben befanden sich unter den Verletzten mindestens 50 Kinder, die auf dem Weg zur Schule waren. Die Tat ereignete sich nur zwei Tage nach Beginn der neuen Verhandlungsrunde zwischen den Taliban und den USA in Katar.

Ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, sagte, zunächst sei eine Autobombe explodiert. Anschließend hätten mehrere Angreifer ein Gebäude gestürmt. Die Gegend, in der sich unter anderem Militär- und Regierungsgebäude befinden, wurde abgeriegelt.

Bewaffnete Angreifer lieferten sich auch vier Stunden nach Beginn des Anschlags noch Kämpfe mit Spezialeinsatzkräften, wie AFP-Journalisten berichteten. Es waren Schüsse zu hören, über der betroffenen Gegend stieg eine Rauchwolke auf. Rahimi zufolge wurde mindestens ein Angreifer getötet.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wadihullah Mayar, teilte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, es sei mindestens ein Mensch getötet worden. Es gebe 65 Verletzte. Er warnte, die Opferzahl könne noch steigen.

Erneut lokaler TV-Sender getroffen

Das Notfallkrankenhaus von Kabul twitterte, unter den Verletzten seien viele Schulkinder. In Onlinenetzwerken waren Fotos zu sehen, die mutmaßlich im Krankenhaus aufgenommen wurden und verletzte und verschreckte Kinder zeigten, von denen einige noch Schulbücher trugen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid erklärte, Ziel sei ein Gebäude des Verteidigungsministeriums gewesen. Die Behörden bestätigten das nicht.

Ein Mitarbeiter des 150 Meter vom Anschlagsort entfernten Kulturministeriums, Saher Usman, berichtete, er sei zu dem Zeitpunkt im Büro gewesen. "Als ich meine Augen öffnete, was das ganze Büro voll Rauch und Staub, und alles war kaputt, meine Kollegen schrien", sagte Usman AFP am Telefon.

Der afghanische Fußballverband, der seinen Sitz ebenfalls in der Gegend hat, erklärte, einige seiner Mitarbeiter seien verletzt worden. In der Nähe des Explosionsortes befindet sich auch der Sender Schamschad TV, der sein Programm kurzzeitig unterbrach. Anschließend wurden Bilder der Räumlichkeiten des Senders gezeigt, die stark beschädigt waren. Unter anderem waren zerborstene Fensterscheiben zu sehen. Der Sender war 2017 Ziel eines Anschlags geworden.

Taliban will nicht mit Regierung verhandeln

Der Anschlag vom Montag ereignete sich zwei Tage nach Beginn der neuen Verhandlungsrunde zwischen den Taliban und den USA in Katar. In einem Friedensabkommen soll ein Abzug der US-Streitkräfte nach mehr als 17 Jahren im Land vereinbart werden.

Im Gegenzug müssten die Taliban Garantien dafür geben, dass das Land nie wieder Rückzugsgebiet für islamische Extremisten wird, wie dies vor den Anschlägen vom 11. September in den USA der Fall war. Die USA streben einen Durchbruch bei den Verhandlungen bis Ende August an. Im September sollen in Afghanistan Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Ein Taliban-Sprecher in Doha sagte während der anhaltenden Kämpfe in Kabul, die Taliban würden nicht mit der afghanischen Regierung verhandeln. Zunächst müsse der Zeitpunkt für den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan im Beisein internationaler Beobachter festgelegt werden, schrieb Suhail Schahin bei Twitter. Dann könne es Gespräche mit "afghanischen Seiten" geben, nicht aber mit der Regierung. Die Taliban sehen in dieser eine Marionette der USA. Die USA dagegen beharren darauf, dass "nichts vereinbart ist, bis alles vereinbart ist".

Der afghanische Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah erklärte am Montag, der Anschlag vom Montag zeige die den Taliban "innewohnende kriminelle Natur".

Quelle: n-tv.de, jog/AFP/dpa

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