Politik

Gedenken an Bombardierung Tausende Dresdner bilden Menschenkette

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Mehr als Zehntausend Menschen bildeten eine Menschenkette um die Altstadt.

(Foto: REUTERS)

Im Februar 1945 legen alliierte Bomber weite Teile der sächsischen Metropole Dresden in Schutt und Asche. Tausende verlieren ihr Leben. Mit einer Menschenkette erinnern viele Dresdner an die Opfer von Krieg und Gewalt.

Gedenken und Mahnung in Dresden: Tausende Menschen haben am Abend an die Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren erinnert. Gegen 18.00 Uhr bildeten nach Angaben der Stadt etwa 11.000 Bürger eine kilometerlange Menschenkette um die Altstadt, um an die Unmenschlichkeit des Krieges zu erinnern und gleichzeitig ein Zeichen für Frieden und Weltoffenheit zu setzen. Daran nahmen neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch der Herzog von Kent, Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert teil.

"Wir gedenken heute aller Opfer von Völkermord, Krieg und Gewalt, und wir gedenken gemeinsam mit den Kriegsgegnern von einst", sagte Steinmeier, eine weiße Rose am Revers, vor der Frauenkirche. Das vom Sohn eines britischen Bomberpiloten geschaffene Kuppelkreuz der Frauenkirche sei ein Zeichen für Frieden und Verständigung, das weit über Dresden hinausrage. "Die vielen Kerzen heute in der Stadt, das sind Lichter der Hoffnung." Störer versuchten, das Gedenken in der Menschenkette mit Feuerwerk und Sprechchören zu behindern. Augenzeugen zufolge handelte es sich um Störer aus dem linken Spektrum.

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 waren bis zu 25.000 Menschen getötet worden. Die Altstadt wurde fast völlig zerstört, berühmte Bauten wie Zwinger und Frauenkirche brannten aus. In der wiederaufgebauten Frauenkirche, die heute als Symbol der Versöhnung gilt, entzündeten viele Menschen am Donnerstag Kerzen. Auch auf Friedhöfen und an anderen Gedenkorten wurde der Opfer des Krieges gedacht.

"Deutsche Schuld nicht vergessen"

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Bundespräsident Steinmeier (5.v.r.) und Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (2.v.l.) reihten sich in die Menschenkette ein.

(Foto: REUTERS)

Bundespräsident Steinmeier appellierte bei der zentralen Gedenkveranstaltung an alle Demokraten, sich neuem Antisemitismus und Geschichtsverfälschern entschieden zu widersetzen. In seiner Gedenkrede erinnerte er daran, dass nicht nur Dresden, sondern auch viele andere Städte in Deutschland und Europa Bombardements erlebten. "Wenn wir heute an die Geschichte des Bombenkrieges in unserem Land erinnern, dann erinnern wir an beides: an das Leid der Menschen in deutschen Städten und an das Leid, das Deutsche anderen zugefügt haben", sagte er. "Wir vergessen die deutsche Schuld nicht."

Steinmeier wandte sich ausdrücklich gegen eine politische Instrumentalisierung des Gedenkens. Viel zu oft und viel zu lange sei die Geschichte der Luftangriffe auf Dresden ideologisch vereinnahmt worden, erst von den Nationalsozialisten, dann von der DDR-Führung. "Und auch in diesem Gedenkjahr müssen wir erleben, wie politische Kräfte die Geschichte manipulieren, umdeuten und als Waffe missbrauchen wollen", warnte Steinmeier. Weder dürfe deutsches Unrecht kleingeredet, noch dürfe das Leid der Bombenopfer bagatellisiert werden.

"Nichts davon darf unwidersprochen bleiben"

Mit deutlichen Worte rief der Bundespräsident zum Widerstand gegen Angriffe auf die Demokratie auf. "Wir erleben, wie auch in unserem Land Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit das öffentliche Leben wieder zu vergiften beginnen, wie Rechtsstaat und demokratische Institutionen verächtlich gemacht und ihre Repräsentanten beleidigt und angegriffen werden." Es reiche nicht, wenn Demokraten sich angewidert abwendeten. "Nichts davon darf in unserem Land unwidersprochen bleiben", forderte Steinmeier.

Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer forderte, sich all jenen entgegenzustellen, die Geschichte umdeuten und verfälschen wollten. Oberbürgermeister Hilbert rief zum Auftakt der Menschenkette dazu auf, nicht zuzulassen, "wenn sich heute Extremismus und Hass in unserer Gesellschaft breit machen". Am Samstag, wenn wieder Neonazis in Dresden aufmarschieren wollen, gelte es "ein friedliches Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus" zu setzen.

Rechtsextreme versuchen seit langem, den Jahrestag der Zerstörung Dresdens für ihre Zwecke zu missbrauchen. Aufgrund der starken Gegenproteste wurden größere Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar in den vergangenen Jahren verhindert. In diesem Jahr rufen Rechte für Samstag erneut zu einem sogenannten Trauermarsch mit mehreren hundert Teilnehmern auf. Ein breites Bündnis von Gegendemonstranten will dagegen auf die Straße gehen. Die Polizei wird im Großeinsatz sein.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa