Politik

Regierung befürchtet Gewalt Tausende Migranten erreichen US-Grenze

Zahlreiche Menschen aus Mittelamerika legen in den vergangenen Wochen Tausende Kilometer zu Fuß, auf Lastwagen und Bussen zurück. Nun erreichen rund 4000 von ihnen die Grenze zu den USA. Willkommen sind sie dort nicht. Eine Geduldsprobe beginnt.

Sie haben Grenzen überschritten, Wüsten durchquert und Berge überwunden: Nach rund einem Monat sind Tausende Migranten aus Mittelamerika fast am Ziel. Am heutigen Freitag werden rund 4000 Mitglieder der sogenannten Migranten-Karawane in Tijuana erwartet. Etwa 1600 Mittelamerikaner sind bereits in der Stadt an der Grenze zum US-Bundesstaat Kalifornien.

"Ich will in die Vereinigten Staaten. Ich möchte einen Termin, um politisches Asyl beantragen zu können", sagte der Honduraner Franklin Barahona. Der Computertechniker aus La Ceiba ist mit seiner Frau und seinem Sohn nach Tijuana gekommen. In Honduras sah er keine Zukunft mehr für seine Familie. Die Menschen aus Mittelamerika haben in den vergangenen Wochen Tausende Kilometer zu Fuß, auf Lastwagen und in Bussen zurückgelegt. Sie fliehen vor der bitteren Armut und der Gewalt durch Jugendbanden in ihrer Heimat. Die sogenannten Maras erpressen Schutzgeld, kontrollieren ganze Stadtviertel und zwangsrekrutieren Jugendliche.

Am Grenzübergang El Chaparral trugen sich rund 150 Mittelamerikaner in eine Liste für Interviews bei den US-Behörden ein, um Asyl zu beantragen. Allerdings könnte es Monate dauern, bis sie einen Termin erhalten. "Ich war mit der Karawane einen Monat und ein paar Tage unterwegs. Ich kann so lange warten, wie es nötig ist, um die Grenze zu überqueren", sagte der Honduraner Barahona.

Angesichts der zahlreichen ankommenden Migranten befürchtet die mexikanische Regierung allerdings, dass einige die Geduld verlieren und gewaltsam die Grenze durchbrechen könnten. "Wir sind sehr besorgt, dass es an der Grenze zu einem Vorfall kommen könnte, bei dem Menschen verletzt werden", sagte Innenminister Alfonso Navarrete. Arbeiter verlegten auf der US-Seite Stacheldraht auf dem Grenzzaun, wie die Zeitung "The San Diego Union-Tribune" berichtete.

Die Stimmung droht zu kippen

Unterdessen traf sich der Leiter des US-Grenzschutzes, Kevin McAleenan, am Grenzübergang San Ysidro mit Vertretern der mexikanischen Bundespolizei, um über den Umgang mit den Migranten zu beraten. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt immer wieder betont, die Migranten nicht ins Land lassen zu wollen. Er sprach von einer "Invasion" und ließ Soldaten an die Grenze verlegen, um die Menschen zu stoppen. Insgesamt sind etwa 9000 Migranten in verschiedenen Gruppen auf dem Weg in die USA.

"Was wollen wir nicht? Dass die Gewalt eine Eigendynamik entwickelt und Leute versuchen, spontan und ungeordnet in die Vereinigten Staaten zu kommen", sagte Navarrete. Er warnte vor den "extrem feindseligen Reden und Aktionen gegen illegale Einwanderung in den USA".

Während sich auf der Wanderung durch Mexiko noch viele Menschen mit den Migranten solidarisiert hatten, drohte in Tijuana die Stimmung zu kippen. Dutzende Anwohner aus einer exklusiven Wohngegend direkt am Strand protestierten gegen die Ankunft weiterer Migranten aus Mittelamerika.

"Es sollen nicht noch mehr kommen", skandierten sie und riefen die Menschen auf, ihre Lager direkt am Grenzzaun zu verlassen und in die Flüchtlingsunterkünfte zu gehen. "Diese Leute kommen mit einem aggressiven Plan, sie sind unverschämt und fordern die Sicherheitskräfte heraus", sagte Tijuanas Bürgermeister Juan Manuel Gastélum in einem Interview des Fernsehsenders Milenio. "Ich will nicht sagen, dass alle Migranten so sind, aber einige sind Landstreicher, Kiffer, sie greifen die Bewohner an."

Quelle: n-tv.de, Antonio Maya, Andrea Sosa, Antonia Märzhäuser, Denis Düttmann, dpa

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