Politik

In zehn Bundesländern zuschlagen Terrorzelle plante wohl Moscheen-Massaker

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Ein Mitglied der mutmaßlichen rechten Terrorzelle wird in Karlsruhe den Ermittlungsrichtern vorgeführt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einem Geheimtreffen bespricht eine Gruppe von Rechtsterroristen ihre Anschlagspläne. Was die Männer nicht wissen: Die Polizei hört mit. Offenbar sollten zehn "Kommandos" in zehn Bundesländern zugleich Moscheen überfallen und Betende erschießen. Danach sollte ein Bürgerkrieg losbrechen.

Nach der Razzia gegen eine Gruppe mutmaßlicher Rechtsterroristen sitzen inzwischen zwölf Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Derweil werden weitere Details über die Pläne der Männer bekannt. Nach Informationen des "Spiegels" sollten gezielt Betende in Moscheen angegriffen werden. Die Gruppe habe die Absicht gehabt, "Kommandos zu bilden", die in zehn Bundesländern zugleich zuschlagen sollten. Diese Moscheen-Massaker - nach dem Vorbild der Anschläge im neuseeländischen Christchurch im Frühjahr - sollten dann "Gegenangriffe provozieren". Dadurch wollte die Gruppe "bürgerkriegsähnliche Zustände" herbeiführen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Der Anführer der Gruppe wird Berichten zufolge von den Behörden als "Gefährder" eingestuft, die Gruppe weist Bezüge zu den international agierenden "Soldiers of Odin" auf.

Die Männer waren nach ihrer Festnahme vom Freitag am Samstag Ermittlungsrichtern des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt worden. Diese erließen Haftbefehle gegen alle zwölf. Ziel der Gruppierung soll es nach Angaben der Bundesanwaltschaft gewesen sein, "die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik zu erschüttern und letztlich zu überwinden".

Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag vier mutmaßliche Mitglieder der Gruppe und acht mutmaßliche Unterstützer festnehmen lassen. Die vier mutmaßlichen Mitglieder - Tony E., Werner S., Michael B. und Thomas N. - sollen sich im September 2019 zusammengeschlossen haben. Gegen sie erging Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

"Diesen Dreck beseitigen": Kontakt durch Chatgruppen

Auf seinem Facebookprofil verbreitete Thomas N. kurz vor seiner Verhaftung noch die krude Botschaft: "Widerstand ist der einzige Weg! Wir bleiben unbeugsam." Laut "taz" ist der 35-Jährige ein Handwerker aus Minden, der den sogenannten Schuldkult der Deutschen kritisiert und die Auffassung der Reichsbürger teilt, die Bundesregierung sei illegal im Amt. Über die Antifa schreibt N., es werde Zeit "diesen Dreck zu beseitigen". Sein Spruch vom Widerstand stammt dem Bericht zufolge von der rechtsextremen Vereinigung "Wodans Erben Germanien". Es ist Thomas N.s letzter Post. Am nächsten Morgen wird er festgenommen.

Seit Monaten hatten Staatsschützer die Männer im Visier. Ihr Verdacht: Hier entsteht eine Terrorgruppe. Und so überwachten die Behörden auch das Geheimtreffen - und bekamen offenbar mit, was die Männer hinter verschlossenen Türen besprachen. Laut "Spiegel" soll der mutmaßliche Anführer der rechtsextremen Truppe, der 53-jährige Werner S., bei einem Treffen der Gruppe in Minden vor einer Woche seine Pläne skizziert haben: Man solle in kleineren Gemeinden Muslime angreifen, beim Beten in Moscheen. Zwei der Männer wurden nach Erkenntnissen der Ermittler auserkoren, die Waffen zu beschaffen. Die "Bild"-Zeitung berichtete, die Polizei habe einen V-Mann in die Gruppe eingeschleust.

Die Männer sollen sich zur Umsetzung ihres Vorhabens mehrfach in unterschiedlichen Zusammensetzungen getroffen haben. Zudem standen die Beschuldigten untereinander über Chatgruppen verschiedener Messengerdienste sowie telefonisch in Kontakt.  Eine der Gruppen hieß demnach "der harte Kern".

Die mutmaßlichen Unterstützer sollen zugesagt haben, die Gruppierung finanziell zu unterstützen, Waffen zu beschaffen oder an künftigen Anschlägen mitzuwirken. Gegen sie erging Haftbefehl wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Alle Festgenommenen sind deutsche Staatsbürger.

Spitzname "Teutonico": Waffenfunde bei der Razzia

Der mutmaßliche Anführer der Gruppe wurde einem Bericht des "Spiegels" zufolge von den Sicherheitsbehörden bereits seit mehreren Monaten als rechtsextremer Gefährder geführt. In der Szene soll der Mann den Spitznamen "Teutonico" getragen haben. Laut "Spiegel" fanden die Polizisten bei der Razzia mehrere Waffen, darunter eine selbstgebaute sogenannte Slamgun. Eine ähnliche Schusswaffe besaß demnach auch der antisemitische Attentäter von Halle, der im Oktober eine Synagoge attackiert und zwei Menschen getötet hatte. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete, auch Handgranaten und verfassungswidrige NS-Symbole seien entdeckt worden.

Über die Bezüge der Gruppe zu den "Soldiers of Odin" berichtete die "Welt am Sonntag". Dabei handelt es sich um Mitglieder einer 2015 in Finnland gegründeten rechtsextremistischen Bürgerwehr, die sich später auch in Deutschland bildete. Die Mitglieder treten demnach meist einheitlich schwarz gekleidet und in Jacken mit Wikingerschädeln auf.

Der bayerische Landesverfassungsschutz ordnet die Gruppierung seit Ende 2017 "dem subkulturell geprägten Rechtsextremismus" zu. Ihre Mitglieder bezeichnen sich demnach selbst als "Nachbarschaftshilfe" und reklamieren für sich selbst, Schwachen und Schutzsuchenden zu helfen. Faktisch betätigen sie sich jedoch als eine Bürgerwehr - die mit ihren "Spaziergängen" das staatliche Gewaltmonopol infrage stelle.

Quelle: ntv.de, mau/AFP