Politik

Partei distanziert sich Thüringer SPD-Abgeordneter lädt Sarrazin ein

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Die Thüringer SPD ist wenig begeistert von der Aktion ihres Konvertiten.

(Foto: imago/Karina Hessland)

Er wechselte von der AfD zur SPD-Fraktion im Thüringer Landtag. Nun sorgt Oskar Helmrich mit einer Einladung des umstrittenen Autors Sarrazin innerhalb der Partei für Empörung. Verstehen kann er die Aufregung nicht, und er erwartet auch keine raschen Sanktionen.

Ein Thüringer SPD-Landtagsabgeordnete plant eine Veranstaltung mit dem umstrittenen Autor und früheren SPD-Politiker Thilo Sarrazin - und erntet nun scharfe Kritik aus seiner Partei. Die Lesung aus Sarrazins islamkritischem Buch "Feindliche Übernahme" am 22. Mai - vier Tage vor der Europawahl - sei "ein unabgesprochener Alleingang von Oskar #Helmerich, keine Veranstaltung der Thüringer SPD", twitterte SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee. "Ich distanziere mich ausdrücklich und scharf von ihm und den islamfeindlichen Aussagen."

Helmerich hatte zunächst für die AfD im Landtag gesessen und war im Streit um den Kurs von Landeschef Björn Höcke zur SPD gewechselt. Gegen den früheren Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand Sarrazin läuft derzeit ein drittes Parteiausschlussverfahren der Bundes-SPD. Nach der Veröffentlichung seines Buchs, in dem Muslime als Bedrohung dargestellt werden, hatte die SPD-Spitze den 74-Jährigen vergeblich aufgefordert, von sich aus auszutreten.

Helmerich sagte der "Thüringer Allgemeinen": "Die Einladung ist eine Maßnahme, die in das politische Konzept der Thüringer SPD passt, um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert sind." Eine Parteiausschlussdebatte gegen sich befürchtet er demnach nicht - im Landtag hat Rot-Rot-Grüne nur eine Mehrheit von einer Stimme.

Im Herbst wird ein neuer Landtag in Erfurt gewählt. Nach den jüngsten Umfragen muss die von Linke-Ministerpräsident Bodo Ramelow geführte rot-rot-grüne Landesregierung um eine zweite Amtszeit bangen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa