Politik

"Verstoß gegen Community-Regeln" Tiktok sperrt umstrittenes Melnyk-Interview

988d7a5d67029bd4d88558fd40b0c1d5.jpg

Andrij Melnyk steht massiv in der Kritik.

(Foto: IMAGO/Christian Spicker)

Selbst das ukrainische Außenministerium weist die Aussagen seines Botschafters Melnyk über den Nationalistenführer Bandera zurück. Auf der Video-Plattform Tiktok lassen sich diese nun nicht mehr anhören. Eine Erklärung des Unternehmens steht aus. Der Interviewer spricht von Zensur.

In der Debatte um Botschafter Andrij Melnyks Äußerungen über den ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera hat Tiktok den entsprechenden Teil des Video-Interviews offensichtlich gesperrt. Tilo Jung, der das Interview geführt hatte, schrieb bei Twitter: "Zensur von Journalismus: Melnyk Clip zu Bandera verstößt gegen 'Community Regeln'". Das Unternehmen stellte eine Erklärung im Laufe des Vormittags in Aussicht, wie der Mediendienst "Turi2" und der "Spiegel" berichten.

Zuletzt hatte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, den ukrainischen Botschafter kritisiert. Dessen Aussagen nährten "das russische Narrativ im derzeit stattfindenden Konflikt und sorgen eher für Spaltung und Unverständnis bei befreundeten Staaten", sagte Klein der Funke Mediengruppe. Melnyk hatte Bandera in dem fraglichen Gespräch in Schutz genommen und gesagt: "Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen." Dafür gebe es keine Belege.

Mehr zum Thema

Selbst das ukrainische Außenministerium hatte sich von den Äußerungen distanziert. "Die Meinung des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, die er in einem Interview mit einem deutschen Journalisten ausgedrückt hat, ist seine persönliche und gibt nicht die Position des ukrainischen Außenministeriums wieder", hatte es aus Kiew geheißen.

Bandera war ideologischer Führer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Partisanen aus dem Westen der Ukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische Zivilisten ermordet wurden. Bandera floh nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1959 in München von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ermordet wurde.

Quelle: ntv.de, chl

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen