Politik

Geräuschquelle als Zünder? "Times"-Bericht: Russische Tauch-Drohne könnte Nord Stream gesprengt haben

Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache.

Messstationen in Schweden und Dänemark hatten vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet.

(Foto: Swedish Coast Guard/dpa)

Laut einem britischen Medienbericht könnte ein Angriff durch eine russische Unterwasser-Drohne hinter den beschädigten Gaspipelines in der Ostsee stecken. Die Aktion sei womöglich schon vor Monaten vorbereitet worden, wird eine Quelle aus dem britischen Verteidigungsbereich zitiert.

Die beschädigten Nord-Stream-Gaspipelines wurden laut einer Quelle aus dem britischen Verteidigungsbereich "wahrscheinlich vorsätzlich und geplant" mit einem Sprengsatz beschädigt, der Wochen vor der Detonation ins Meer geworfen wurde, berichtet die britische Zeitung "The Times". Das wahrscheinlichste Szenario sei demnach, dass Russland heimlich eine Unterwasser-Drohne mit einer Sprengladung an verschiedenen Stellen der Pipelines abgesetzt habe.

Die Drohne könnte schon vor Monaten von einem kleinen Schiff, etwa einem Fischerboot, zu Wasser gelassen worden sein, wird die Quelle in dem Bericht zitiert. Danach habe sie womöglich Sprengsätze nahe der Pipeline fallen gelassen. "Sie könnten monatelang dort liegen, bis man ihnen das Signal zum Explodieren gibt", so die Quelle. Die Sprengsätze könnten möglicherweise durch eine Geräuschquelle mit einer bestimmten Frequenz ausgelöst werden, die zu einem von Russland gewählten Zeitpunkt ins Wasser geworfen werden könnte.

Messstationen in Schweden und Dänemark hatten einem Medienbericht zufolge vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet. Laut dem Seismologen Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) bestehe kein Zweifel daran, dass es sich um Sprengungen oder Explosionen gehandelt habe, sagte er dem schwedischen Rundfunksender SVTEs. Er schätzt, dass mehr als 100 Kilogramm Dynamit oder TNT nötig seien, um derartig große Explosionen zu verursachen.

Der dänische Klima- und Energieminister Dan Jørgensen bestätigte Angaben von Geologen, dass es am Montag zunächst um 2.03 Uhr eine Explosion an Nord Stream 2 südöstlich von Bornholm sowie um 19.03 Uhr eine weitere an Nord Stream 1 nordöstlich von der Insel entfernt gegeben habe.

Moskau weist Verdacht zurück

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Aus den von Russland nach Deutschland führenden Pipelines tritt seit Montag an drei Stellen in internationalen Gewässern Gas aus. Die EU und die NATO gehen von Sabotage aus. Die Lecks befinden sich nahe der dänischen Insel Bornholm in den dänischen und schwedischen Wirtschaftszonen. Die dänische Marine veröffentlichte Aufnahmen, auf denen eine großflächige Blasenbildung an der Meeresoberfläche zu sehen ist.

Die ukrainische Regierung hatte die Lecks als Ergebnis eines von Russland verübten "Terrorangriffs" bezeichnet. Moskau wies dies umgehend als "dumm und absurd" zurück. Es sei "ziemlich vorhersehbar" gewesen, dass solche Anschuldigungen gegen Moskau kommen würden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Der Sicherheitsexperte Johannes Peters hingegen sagte gegenüber ntv, dass man sich in der momentanen Situation "eigentlich nur Russland als Verursacher" der Pipeline-Lecks vorstellen könne. "Alle anderen Akteure haben kein Interesse daran, diese Infrastruktur zu beschädigen", so Peters.

Quelle: ntv.de, kst

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