Politik

Türkischer Junge erliegt Verletzungen Todesnachricht löst neue Proteste aus

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Berkin Elvan wurde nur 15 Jahre alt.

(Foto: dpa)

Die landesweiten Proteste gegen die türkische Regierung vom vergangenen Sommer fordern ein weiteres Todesopfer. Der 15-jährige Berkin Elvan stirbt nach 269 Tagen im Koma. In mehreren Städten gibt es Demonstrationen.

Der Tod eines vor neun Monaten von der türkischen Polizei schwerverletzten Jungen hat neue Proteste ausgelöst. Die Polizei ging mit Tränengas gegen rund tausend Demonstranten vor dem Instanbuler Krankenhaus vor, in dem der 15-jährige Berkin Elvan nach 269 Tagen im Koma gestorben war. Protestierende warfen Steine auf einen Polizeibus, mindestens ein Demonstrant wurde verletzt. Am Vortag hatte die Polizei eine Mahnwache für den Jugendlichen am Krankenhaus gewaltsam aufgelöst und mehrere Menschen festgenommen.

"Wir haben unseren Sohn Berkin Elvan um 7.00 Uhr verloren. Möge er in Frieden ruhen", teilte Berkins Familie bei Twitter mit. Der 15-Jährige war im Juni in Istanbul auf dem Weg zum Bäcker, als er bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten zwischen die Fronten geriet. Eine Tränengasgranate der Polizei traf ihn am Kopf. Seitdem lag er im Koma.

Die Mutter des Jungen machte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan für den Tod ihres Sohnes verantwortlich: "Nicht Gott hat mir meinen Sohn genommen, sondern Ministerpräsident Erdogan!", sagte sie unter Tränen.

Proteste mit Berkins Foto

Präsident Abdullah Gül äußerte vor Journalisten Trauer über den Tod des Jungen und sprach dessen Familie sein Beileid aus. Gül rief dazu auf, "alles zu tun, damit so etwas nicht wieder passiert". Dies habe er auch den Behörden der Provinz Istanbul gesagt.

Nach der Nachricht vom Tod des Jungen, dessen Schicksal in der Türkei zu einem Symbol für das harte Vorgehen der Polizei gegen die Proteste geworden ist, kam es zu Demonstrationen in zahlreichen Städten. In Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund tausend protestierende Studenten vor, die mit Fotos des toten Berkin in den Händen eine wichtige Verkehrsader blockierten. Auf einem zentralen Platz der Hauptstadt versammelten sich hunderte Demonstranten. Proteste gab es auch in Izmir, Antalya und Eskisehir.

Der Jugendliche ist das achte Todesopfer der landesweiten Massenproteste gegen die Regierung, darunter ein Polizist. Zudem wurden bei den Demonstrationen mehr als 8000 Menschen verletzt. Die Wut der Demonstranten hatte sich an einem staatlichen Bauprojekt im zentralen Gezi-Park in Istanbul entzündet. Sie richteten sich bald vor allem gegen den autoritären Regierungsstil des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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