Politik

Während Trauerzeremonie Tote bei Explosion vor Kabuler Moschee

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Sicherheitsmaßnahmen nach dem Anschlag, der sich offenbar gegen die Taliban-Führung richtete.

(Foto: picture alliance / AA)

Von fünf toten Zivilisten und mehreren Verletzten geht das afghanische Innenministerium nach einer Explosion vor einer Moschee aus. In dem Gotteshaus in Kabul findet zu dieser Zeit eine Zeremonie statt, an der mehrere Taliban-Führer teilgenommen haben sollen.

Die große Siegeskundgebung der radikalislamischen Taliban in Afghanistan ist von einem Anschlag vor einer Kabuler Moschee überschattet worden. Bei der Explosion am Rande einer Trauerfeier für die Mutter des Taliban-Sprechers Sabihullah Mudschahid gab es laut einem Behördenvertreter fünf Tote und elf Verletzte. Bei der Siegeskundgebung vor rund 1500 Anhängern in Kohdaman nördlich von Kabul gaben sich die neuen Herrscher von Afghanistan jedoch selbstbewusst. Die Explosion ereignete sich nach Angaben von Taliban-Sprecher Mudschahid in der Nähe des Eingangs der Eidgah-Moschee.

Ein Vertreter der afghanischen Kulturkommission, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe fünf Tote und elf Verletzte, darunter sowohl Taliban als auch Zivilisten. Der Sprengsatz sei am Eingang der Moschee platziert gewesen und detoniert, als die Gläubigen die Moschee verließen. Im Zusammenhang mit dem Anschlag seien drei Verdächtige festgenommen worden, sagte der Behördenvertreter weiter. Anderen Berichten zufolge soll es mindestens zwölf Tote und mehr als 32 Verletzte gegeben haben.

In der Eidgah-Moschee fand am Sonntagnachmittag eine Gebetszeremonie für Mudschahids Mutter statt, die in der vergangenen Woche gestorben war. Mudschahid hatte die Trauerfeier auf Twitter angekündigt. "Alle Menschen und Freunde sind eingeladen, teilzunehmen", schrieb er dazu. Berichten zufolge sollen mehrere führende Mitglieder der Islamisten an der Trauerfeier teilgenommen haben.

Kämpfer spenden Blut

"Ich hörte das Geräusch einer Explosion in der Nähe der Eidgah-Moschee, gefolgt von Schüssen", sagte Ahmadullah, Besitzer eines Geschäfts in der Nähe der Moschee, zu AFP. Demnach hatten die Taliban kurz vor der Detonation wegen der Trauerfeier die Straße gesperrt. AFP-Reporter, die sich an zwei unterschiedlichen Orten in der Hauptstadt aufhielten, hörten ebenfalls eine Explosion und Schüsse. Später sahen sie, wie Menschen in blutverschmierter Kleidung ins nahe gelegene Kabuler Notfallkrankenhaus eingeliefert wurden. Taliban-Kämpfer begaben sich zum Krankenhaus, um Blut zu spenden.

Es war der erste tödliche Anschlag in der Hauptstadt seit Ende August. Am 26. August hatte ein Selbstmordattentäter am Flughafen von Kabul mindestens 72 Menschen getötet und mehr als 150 weitere verletzt. Zu dem Angriff bekannte sich der mit den Taliban verfeindete Afghanistan-Ableger der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS).

Kurz vor der Explosion vor der Moschee hatten die Islamisten ihre Siegeskundgebung in Kohdaman mit einer Parade zu Ehren ihrer Kämpfer und "Märtyrer" gestartet. Es erklang Musik, Dutzende schwer bewaffnete Kämpfer standen Wache, während die aus rund 1500 Männern und Jungen bestehende Menge stundenlangen Reden lauschte.

Staaten stellen Hilfszahlungen ein

"Dies ist der Tag, auf den wir gewartet haben", sagte der neue Flüchtlingsminister Chalil Hakkani. Die USA hatten Hakkani 2011 als "Terroristen" eingestuft und ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Er ist ein prominenter Anführer des berüchtigten, von seinem Bruder Dschalaluddin gegründeten Hakkani-Netzwerks. Afghanistan habe eine "glänzende Zukunft" vor sich, sagte er nun. "Mein Rat an die Welt ist, dass sie Afghanistan den Afghanen überlässt."

Die Herrschaft der Taliban über Afghanistan wurde bislang von keiner ausländischen Regierung anerkannt und die USA, Europa und andere Staaten haben Hilfszahlungen, auf die das Land seit Jahren angewiesen ist, infolge der Machtübernahme der Islamisten eingestellt. Sie fordern unter anderem eine Regierung unter Einbindung von Frauen und Vertretern aller Volksgruppen des Landes.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa

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