"Höheren Preis zahlen"Trump droht venezolanischer Vizepräsidentin

Zuerst heißt es: Die venezolanische Vizepräsidentin ist bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten. Davon ist inzwischen keine Rede mehr. US-Präsident Trump verschärft den Ton gegenüber Rodríguez deutlich.
US-Präsident Donald Trump droht der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez. Sie könne einen höheren Preis als der gefangen genommene Präsident Nicolás Maduro zahlen, "wenn sie nicht das Richtige tut", sagt Trump in einem Interview mit der Zeitschrift "The Atlantic".
Rodriguez hat Maduros Amtsgeschäfte übernommen und betont, Maduro sei weiterhin Präsident des Landes. Sie hat Trumps Behauptungen widersprochen, sie sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten. Sie forderte von Washington stattdessen Maduros Freilassung und erklärte zugleich, ihre Regierung werde Venezuela und seine "natürlichen Ressourcen verteidigen".
Rodriguez ist zugleich Ölministerin und ist aufgrund ihrer Kontakte und ihrer Erfahrung eine zentrale und pragmatische Führungsfigur in Venezuela. Die 56-Jährige ist eine der loyalsten Figuren aus Maduros Machtzirkel. Als Außenministerin (2014–2017) prägte Rodríguez den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte.
Rodríguez wurde nach der Gefangennahme Maduros vom Obersten Gericht Venezuelas gemäß der Verfassung des südamerikanischen Landes damit betraut, "vorübergehend alle mit dem Amt des Präsidenten verbundenen Eigenschaften, Pflichten und Befugnisse zu übernehmen und auszuüben".
Im Gespräch mit "The Atlantic" machte Trump außerdem deutlich: "Im Falle Venezuelas ist Wiederaufbau keine schlechte Sache“, sagte er. Das Land sei vor die Hunde gegangen. "Es ist ein gescheitertes Land. Es ist ein völlig gescheitertes Land. Es ist ein Land, das in jeder Hinsicht eine Katastrophe ist."
Der US-Präsident hatte zuvor erklärt, dass er überzeugt ist, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die westliche Hemisphäre behalten müssen, und beruft sich dabei auf seine eigene Version der Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert, die den europäischen Kolonialismus in der Hemisphäre ablehnte. Er nennt seinen Ansatz die "Donroe-Doktrin". In Anlehnung an Trumps Vornamen setzt sich die Bezeichnung "Donroe" aus dem eigentlichen Namen der Doktrin "Monroe" und dem Namen des Präsidenten "Donald" zusammen. Im Gespräch mit "The Atlantic" erklärt er allerdings: Die Entscheidung, den venezolanischen Präsidenten zu entführen, wurde nicht nur aufgrund der geografischen Lage getroffen. "Es geht nicht um die Hemisphäre. Es geht um das Land. Es geht um einzelne Länder", zitiert die Zeitung den US-Präsidenten.
US-Elitesoldaten hatten den langjährigen linksnationalistischen Staatschef Maduro und seine Frau Cilia Flores in der Nacht zum Samstag bei einem Blitzeinsatz in Venezuela gefangengenommen und außer Landes gebracht. Maduro wurde in New York inhaftiert und soll dort wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus" vor Gericht gestellt werden.