Politik

Biden sagt Reise zu Parteitag ab Trump erwägt den Tabubruch

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Normalerweise sind Wahlkampfauftritte im Weißen Haus tabu.

(Foto: AP)

Die Corona-Pandemie wirbelt die Wahlkampfpläne von US-Präsident Trump und Herausforderer Biden durcheinander. Wegen des Virus verlegt der Demokrat seine Nominierungsrede in seine Heimat. Trump bringt für seine Rede das Weiße Haus ins Spiel.

Wegen der Corona-Pandemie in den USA können Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ihre Nominierungsreden vor den Präsidentschaftswahlen im November nicht wie geplant bei den jeweiligen Parteitagen halten. Biden werde wegen der aktuellen Lage nun doch nicht Mitte August zum Nominierungstreffen nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin reisen, teilte seine Partei mit. Stattdessen werde er seine Rede im Bundesstaat Delaware halten, wo er zu Hause ist. Ziel sei es, die Bewohner Milwaukees sowie die Teilnehmer des Parteitags vor einem Ansteckungsrisiko zu schützen.

Trump spielt derweil mit dem Gedanken, seine Nominierungsrede am Monatsende im Weißen Haus zu halten. "Wir denken darüber nach", sagte Trump im konservativen Nachrichtensender Fox News. "Vom Standpunkt der Sicherheit her wäre es das Einfachste." Es wäre auch die "preisgünstigste" Variante. Ganz abgesehen davon biete das Weiße Haus einen "schönen Rahmen", sagte Trump, der sich für eine zweite Amtszeit wiederwählen lassen will.

Umfragen sehen Biden vorne

Eine Wahlkampfrede im Weißen Haus wäre ein Traditionsbruch: Für gewöhnlich sind Wahlkampfauftritte am Amtssitz des Präsidenten tabu. Schon Mitte Juli hatte Trump für Aufsehen gesorgt, als er eine Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses zum Umgang mit China für Äußerungen nutzte, die in weiten Teilen an eine Wahlkampfrede erinnerten. Trump fuhr dabei zahlreiche Attacken gegen Biden.

Ursprünglich wollte Trump seine Rede Ende August beim Nominierungsparteitag der Republikaner in Charlotte im Bundesstaat North Carolina halten. Weil der dortige Gouverneur strikte Corona-Auflagen durchsetzen wollte, verlegte Trump den Nominierungsteil des Parteitags kurzerhand nach Jacksonville im Bundesstaat Florida. Angesichts der dann dort rasant steigenden Infektionszahlen wurden die Pläne aber Ende Juli wieder gestrichen.

Die offizielle Nominierung des Präsidentschaftskandidaten und seine Nominierungsrede sind für gewöhnlich Höhepunkte eines jeden US-Wahlkampfs. Die Pandemie stellt die Parteien in diesem Jahr aber vor beispiellose Herausforderungen. Biden hat bereits angekündigt, keine große Wahlkampfveranstaltung abhalten zu wollen.

Trump hatte im Juni nach mehrmonatiger Corona-Zwangspause wieder eine Wahlkampfveranstaltung in Tulsa abgehalten. Der Auftritt im Bundesstaat Oklahoma wurde aber scharf kritisiert und zog deutlich weniger Anhänger an als erwartet. Seitdem hat Trump auf weitere Veranstaltungen dieser Art verzichtet. Umfragen sehen Biden vor der Wahl am 3. November vor Amtsinhaber Trump.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP