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Feuer mit Feuer bekämpfen Trump hält der Waffenlobby die Treue

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US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit Überlebenden des Massakers in Florida: Er will Lehrer künftig bewaffnen.

(Foto: dpa)

Der Dialog mit Überlebenden des Massakers von Florida zeigt: Washington verspürt wenig Lust, die laxen Waffengesetze zu verschärfen. Stattdessen bekräftigt US-Präsident Trump seinen Vorschlag, Lehrer zu bewaffnen - und stößt damit auf Unverständnis.

Überlebende des Amoklaufs von Florida haben sich im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump getroffen. Dieser schlug jedoch als Reaktion auf das Schulmassaker kein strikteres Waffenrecht vor, sondern die Bewaffnung von Lehrern. Es gebe "viele Ideen" zur Abschreckung möglicher Täter, sagte Trump. So könnten etwa einzelne Lehrer im Umgang mit Schusswaffen trainiert werden.

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Es sei eine "großartige Abschreckung". Zugleich stellte er aber klar, dass dazu einige Voraussetzungen erfüllt werden müssten. Er habe niemals gesagt, man solle Lehrern Waffen geben, so wie es CNN und NBC berichtet hätten, schrieb Trump. Er habe gesagt, man müsse die Möglichkeit prüfen, ob Lehrer, die mit Waffen vertraut seien und ein spezielles Training hätten, diese verdeckt tragen könnten.

Wenn ein potenzieller Täter wisse, dass es an einer Schule eine große Anzahl von Lehrern gebe, die mit Waffen vertraut seien und sofort schießen würden, würde er die Schule niemals angreifen, fügte er hinzu. "Feiglinge werden nicht dorthin gehen... Problem gelöst. Man muss offensiv sein, Verteidigung allein funktioniert nicht."

Senator Rubio unterstützt Trumps Ideen

Für Kritik und Kopfschütteln sorgten während einer hitzigen Podiumsdiskussion in Florida auch der republikanische Senator Marco Rubio und Dana Loesch, Sprecherin der Waffenlobbygruppe NRA. Sie stellten sich den Überlebenden und Angehörigen des Schulmassakers, die deutliche Fragen und Forderungen hatten: einen anderen Umgang Washingtons mit der NRA. Distanzieren wollte sich Rubio, ebenso wie Trump, jedoch nicht von der Waffenlobby.

"Senator Rubio, ich möchte Sie mögen", leitete Fred Guttenberg, Vater eines getöteten Schülers, seine Frage ein. "Hier ist mein Problem: Ihre Kommentare und die des Präsidenten waren diese Woche lächerlich schwach. Gucken Sie mich an und sagen Sie mir, dass Waffen ein Faktor für die Ermordung unserer Kinder waren."

Guttenberg verlangte von dem Senator, etwas gegen Waffen zu tun und mit den Menschen zu arbeiten, die von dem Massaker betroffen seien. Rubio, der laut "New York Times" bis vergangenen Oktober 3,3 Millionen Dollar von der NRA erhielt, hält eine schärfere Kontrolle von Waffenkäufen aber für ineffektiv. "Die Probleme, die wir heute haben, lassen sich nicht allein mit Waffengesetzen lösen."

NRA und Politiker wollen keine Änderungen

Er unterstütze den zweiten Zusatzartikel der Verfassung, der das Tragen einer Waffe erlaubt, stünde jedoch auch für die "Sicherheit an Schulen", sagte Rubio. Damit antwortete er nur halb auf die Frage des Schülers Cameron Kasky, der von dem Republikaner wissen wollte, ob er künftige NRA-Spenden ablehnen würde. "Der Einfluss dieser Gruppen kommt nicht von ihrem Geld. Sie unterstützen nur meine Agenda", so der Senator.

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Dana Loesch, Sprecherin der NRA, beteuerte, für die Anwesenden zu kämpfen. "Ich glaube nicht, dass dieses geisteskranke Monster jemals eine Waffe hätte tragen dürfen", sagte sie. Daher sei ein nationales System für Hintergrund-Checks bei der Waffenbeschaffung notwendig - nicht ein bundesstaatliches wie bisher. Damit unterstützte sie Trumps Zusage zu strengeren Kontrollen, bei denen vor allem die "psychische Gesundheit" der Käufer beleuchtet werden soll.

Weitere Fragen und Forderungen der Schüler machten das mangelnde Interesse von Rubio und Loesch an einer Verschärfung der Waffengesetze deutlich. Loeschs Haltung zum "fehlerhaften System" ging zwischen einzelnen "Mörder"-Rufen aus dem Publikum unter. Schließlich musste der für Parkland zuständige Sheriff Scott Israel unterbrechen: "Sie haben der Gruppe gerade gesagt, dass Sie für sie einstehen. Das können Sie nicht, ohne zu sagen, dass Sie weniger Waffen wollen", sagte er an Loesch gerichtet. Auch Trump erntete Kritik von Israel: "Ich denke nicht, dass Lehrer bewaffnet werden sollten. Lehrer sollten unterrichten."

Soll ich die Waffe im Schreibtisch verstauen?"

Der 15-jährige Schüler Justin Gruber forderte bei dem Treffen mit dem US-Präsidenten "einen grundlegenden Wandel in diesem Land, denn so etwas darf nie wieder geschehen". Sein Mitschüler Samuel Zeif appellierte an Trump, das Waffenrecht zu verschärfen. "Ich verstehe nicht, wieso ich noch immer in ein Geschäft gehen und eine Kriegswaffe kaufen kann."

An dem Treffen nahm auch ein Vater teil, dessen Tochter bei dem Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School erschossen worden war. "Meine Tochter hat keine Stimme mehr. Sie wurde letzte Woche ermordet", sagte Andrew Pollack. Es verstehe nicht, wieso Flughäfen, Stadien und Botschaften beschützt würden, nicht aber Schulen.

Auch eine Lehrerin, die das Massaker überlebt hatte, äußerte ihr Unverständnis: "Soll ich nun auch noch ausgebildet werden, um die Schüler nicht nur zu unterrichten, sondern auch zu beschützen?", fragte Ashley Kurth. "Soll ich eine Schutzweste tragen? Soll ich die Waffe am Bein tragen oder in meinem Schreibtisch verstauen?"

Trump legte neben dem verdeckten Tragen von Waffen in Schulen noch andere Vorschläge auf den Tisch. Weitere Maßnahmen könnten strengere Überprüfungen von Waffenkäufern und ein Heraufsetzen der Altersgrenze sein. Außerdem solle das Problem psychischer Erkrankungen angegangen werden, sagte Trump. Auf Twitter schrieb er, der Kongress sei derzeit in der Stimmung, endlich etwas gegen das Problem zu tun. Er werde sich für umfassende Hintergrundüberprüfungen bei Waffenverkäufen einsetzen, die einen Schwerpunkt auf die psychische Gesundheit legen. Details nannte Trump nicht.

Versuche, das Waffenrecht einzuschränken, stoßen in den USA immer wieder auf breiten Widerstand. Das Repräsentantenhaus von Florida stimmte am Dienstag mit großer Mehrheit gegen ein Verbot von Sturmwaffen und großen Magazinen. In der Sitzung, die mit einem Gebet für die Opfer von Parkland begann, stimmten 71 Abgeordnete gegen ein Verbot und 36 dafür.

Quelle: n-tv.de, lri/hny/dpa/AFP

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