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Republikaner, Georgia, Kapitol Trump ist kein Trumpf mehr

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In seinen eigenen Augen wird Trump immer ein Gewinner sein. Aber die Niederlage in Georgia muss er sich auch selbst ankreiden lassen.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Nach dem Sturm auf das Kapitol hat das Ansehen von Präsident Trump selbst in den eigenen Reihen einen Knacks bekommen - wenn auch noch viele Republikaner zu ihm halten. Aber schon die Senatswahl in Georgia zeigte, dass Trumps Zugkraft verblasst.

Seit dem 6. Januar scheint in den USA alles anders zu sein. Einige Republikaner wenden sich von Donald Trump ab, es wird über eine schnelle Absetzung des Präsidenten spekuliert und er selbst gibt sich kleinlaut. Umfragen zeigen zwar, dass er bei den republikanischen Wählern noch immer große Zustimmung genießt - so fanden sogar laut einer Yougov-Erhebung 45 Prozent den Sturm auf das Kapitol in Ordnung.

Doch auch vielen Republikanern ist klar, dass Trump nun zu weit gegangen ist. Jene Wähler, die ihn eher wegen der Inhalte und aus Furcht vor angeblich linksradikalen Demokraten wählten, könnten sich nun abwenden. Es ist zwar ungewiss, wie viele das tatsächlich sein werden, aber zumindest in Washington lösten sich frühere Verbündete von ihm - darunter Spitzenpolitiker wie Mitch McConnell und Lindsey Graham, dazu Minister und Mitarbeiter aus dem Weißen Haus.

Es gab jedoch auch schon vorher Anzeichen, dass Trumps Glanz verblasst. Die Wahl in Georgia zum Beispiel. Die Niederlagen der Senatskandidaten gingen auch auf seine Kappe. Zwar haben die Kandidaten Kelly Loeffler und David Perdue selbst Schuld an ihren Niederlagen - beide wirkten blass. Perdue, ein ehemaliger Manager und Millionär, sowie Loeffler, ebenfalls eine reiche Geschäftsfrau, boten wenig Inspiration, warum ausgerechnet sie mehr für die Menschen in Georgia herausholen sollten.

Keine Einigkeit, keine klare Botschaft

Aber noch mehr schadeten ihnen wohl die ständigen Querschüsse Trumps, die die Republikaner vor Ort spalteten. Trump wetterte gegen den republikanischen Gouverneur Brian Kemp und den Staatssekretär Brad Raffensperger und warf ihnen vor, Wahlbetrug geduldet und ermöglicht zu haben. So wirkten die Republikaner zerstritten. Das ist vor einer wichtigen Wahl nie hilfreich.

Auch die Betrugsvorwürfe selbst bereiteten Probleme. Viele der republikanischen Wähler fragten sich, warum sie ihre Stimme abgeben sollten, wenn am Ende - angeblich - doch wieder getrickst und geprellt wird. Zugleich riefen Trump und die beiden Kandidaten vehement dazu auf, zur Wahl zu gehen. Das passte nicht zusammen und dürfte für Verwirrung gesorgt haben. Eine klare Botschaft ist im Wahlkampf aber ebenso wichtig wie Geschlossenheit.

Das größte Problem war Trump selbst. Denn offenbar hat sich bei der Stichwahl das Muster der Präsidentschaftswahl wiederholt. Der Amtsinhaber polarisierte weiterhin so sehr, dass sowohl seine Anhänger als auch seine Gegner in Scharen in die Wahllokale strömten. Wieder gab es in Georgia eine sehr hohe Wahlbeteiligung. Und wieder schafften es die Trump-Gegner, mehr Menschen an die Urnen zu locken als die Republikaner. Zweimal hintereinander haben die Demokraten Trump nun in Georgia geschlagen. Er stand zwar diesmal persönlich nicht zur Wahl, aber dennoch beherrschte er mit seinem Betrugsgezeter den Wahlkampf.

Wäre es ohne Trump besser gegangen?

Schon vor dem Chaostag von Washington mussten sich die Republikaner fragen, ob man nicht ohne Trump besser gefahren wäre. Schon das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen konnte man auch als Votum für eine starke republikanische Partei ohne Trump verstehen. Biden gewann zwar klar gegen den New Yorker. Doch im Repräsentantenhaus eroberten die Republikaner Sitze zurück und auch im Senat verhinderten sie zumindest den klaren Verlust der Mehrheit - entgegen der Erwartungen vieler. Auf Trump konnten viele verzichten, aber starke Republikaner wollten viele Wähler trotzdem.

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Hätte Trump seine Wahlniederlage eingeräumt, wäre der Wahlkampf in Georgia anders verlaufen. Die Republikaner hätten mit einer Stimme sprechen können und ihren Wählern einbläuen können, wie wichtig es ist, die Senatsmehrheit in Washington zu verteidigen, um die Demokraten in Zaum zu halten. So aber wurde all das von Trumps Betrugsgetöse übertönt.

Damit erhielt Trumps Sieger-Nimbus weitere Risse, schon bevor er sich durch den Putschversuch vom vergangenen Mittwoch endgültig zur indiskutablen Figur machte. Zwar wird er dank seiner Popularität weiterhin großen Einfluss ausüben. Stellt er sich hinter einen Politiker, ist diesem die Sympathie der Basis gewiss. Stellt er sich gegen sie, geraten sie ins Abseits. Aber was bringt es, wenn die Demokraten es regelmäßig schaffen, mehr Wähler zu mobilisieren, gerade weil Trump diesen einen Kandidaten unterstützt? Wenn es konstant mehr Trump-Gegner als -Anhänger gibt, dann erscheint es nicht besonders klug, weiter auf ihn zu setzen. Nach den Ereignissen des 6. Januar ist es noch wahrscheinlicher geworden, dass mehr Republikaner sich von Trump lossagen. Denn mittlerweile ist klar: Trump ist kein Trumpf mehr.

Quelle: ntv.de

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