Politik

Nach Merkel-Beleidigung Trump kassiert hämische Twitter-Kommentare

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Trump präsentiert sich gern als starker Mann.

(Foto: imago images/UPI Photo)

"Dumm" soll Donald Trump die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel genannt haben. Der US-Präsident teilt verbal gerne aus, meist über Twitter. Und muss dort auch einstecken. Denn im Vergleich mit Merkel sehen Twitter-Nutzer ihn im Hintertreffen.

Dass der US-amerikanische Präsident Donald Trump sie offenbar am Telefon direkt beleidigt hat, scheint Bundeskanzlerin Angela Merkel nur wenig zu beeindrucken. CNN hatte berichtet, Trump habe sie als "dumm" bezeichnet und ihr vorgeworfen, "unter dem Einfluss der Russen zu stehen". Schon im Telefonat soll die CDU-Politikerin ihrem Amtskollegen ruhig geantwortet haben und dessen emotionalen Ausbruch mit einer sachlichen Entgegnung gekontert haben. Ein deutscher Regierungssprecher wollte den CNN-Bericht nicht kommentieren, nun wurde Merkel selbst danach gefragt.

Ob sie angesichts der Beleidigung noch große Lust verspüre, im September zum G7-Gipfel nach Washington zu reisen, fragte eine Reporterin bei einem Pressegespräch zur deutschen Übernahme der Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Merkels Antwort: "Es geht darum, dass wir wo immer es möglich ist, zusammen arbeiten." Und: "Meinungsverschiedenheiten" gehörten eben dazu. Auch die ehemalige britische Regierungschefin Theresa May soll Trump wiederholt angegangen sein, wie der renommierte US-Journalist Carl Bernstein für CNN recherchiert hatte. "Fast sadistisch geht er mit Frauen am Telefon um, insbesondere Angela Merkel."

Insgesamt soll Trump demnach "in Hunderten Telefongesprächen mit Regierungschefs [...] nicht in der Lage" gewesen sein, "außenpolitische Beziehungen kompetent zu pflegen". Stattdessen sei er wiederholt wenig vorbereitet in die Gespräche gegangen, unabhängig davon, welche Staatschefs am anderen Ende der Leitung waren. Allerdings, so Bernstein, der einst gemeinsam mit Bob Woodward die Watergate-Äffare aufdeckte, die letztlich den Rücktritt von Präsident Richard Nixon auslöste: "Bei Telefonaten mit Putin suchte er [Trump] fast sklavisch dessen Anerkennung." Dem russischen Präsidenten gegenüber habe sich Trump, der sich sonst als starker Mann darstellt, fast schon devot verhalten.

Trump selbst, der sich gerne, häufig und bisweilen ausschließlich in Großbuchstaben über Twitter äußert, ließ der Bericht offenbar unbeeindruckt. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Arbeitslosenzahlen, die sich nach den Rekordwerten der vergangenen Monate positiv entwickeln - aber noch weit vom Stand vor der Corona-Krise entfernt sind. Die massiv ansteigende Zahl der Corona-Infektionen in den USA dagegen führt der Republikaner vorrangig auf die hohe Zahl an Tests zurück und nicht darauf, dass er selbst die Maskenpflicht für Unsinn hält, obwohl sie sich in vielen Ländern als wirksames Mittel gegen die Ausbreitung darstellt.

Als Antworten auf seine zahlreichen Tweets gibt es allerdings zahlreiche Reaktionen auf die CNN-Berichte. Und viele davon, wie es zuvor auch Vice dokumentiert hat, widersprechen dem US-Präsidenten.

Auch, wenn das natürlich kein repräsentatives Meinungsbild ist, wird doch erkennbar, dass im Vergleich Trump/Merkel viele Twitter-Nutzer die Bundeskanzlerin vorne sehen, was die kognitiven Fähigkeiten betrifft.

Quelle: ntv.de, tsi