Politik

Anhörung in Ukraine-Affäre Trump verpasst Top-Diplomaten Maulkorb

AP_19281065760211.jpg

Was weiß der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, über Trumps Ukraine-Affäre? Der Kongress wird es vorerst nicht erfahren.

(Foto: AP)

Ein hoher Diplomat will in der Ukraine-Affäre freiwillig vor dem US-Kongress aussagen, doch Trump verpasst ihm einen Maulkorb. Es könnte nicht die letzte Blockade sein, die der US-Präsident gegen sein drohendes Amtsenthebungsverfahren auffährt. Die Demokraten sind empört.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat die Aussage eines Top-Diplomaten in der Ukraine-Affäre blockiert. Der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, war für den heutigen Dienstag für eine Anhörung im Kongress vorgeladen worden. Trump verteidigte die Entscheidung auf Twitter: Er würde Sondland gerne schicken, dieser würde aber vor einem "komplett korrupten Gericht" aussagen, das den Republikanern ihre Rechte genommen hätte und wo wahre Tatsachen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich seien.

Die Demokraten reagierten mit scharfer Kritik. Sondland sei ein "zentraler Zeuge" bei der Aufklärung der Vorwürfe gegen Trump, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, der Demokrat Adam Schiff. Das Außenministerium halte auch Textnachrichten oder E-Mails Sondlands zurück. Die Verweigerung der Aussage und der Dokumente werde "als weiterer starker Beweis für die Behinderung der verfassungsmäßigen Aufgaben des Kongresses" gewertet. Trump bezichtigt Schiff, befangen zu sein, und forderte mehrfach seinen Rücktritt.

Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus führen Untersuchungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen den Republikaner. Trump wird beschuldigt, die Macht seines Amtes missbraucht zu haben, damit sich eine ausländische Regierung zu seinen Gunsten in den Wahlkampf einmischt. Schiff kritisierte, Trump und Außenminister Mike Pompeo würden die Kongressabgeordneten daran hindern, die Fakten zu recherchieren, die zum Schutz der nationalen Sicherheit notwendig seien.

Sondland "zutiefst enttäuscht" über Veto aus Washington

Trump hatte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefonat Ende Juli zu Ermittlungen gegen Joe Biden und seinen Sohn Hunter ermuntert. Biden bewirbt sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bei der Wahl 2020, zu der auch Trump antritt. Der Inhalt des Gesprächs mit Selenskyj kam an die Öffentlichkeit, nachdem ein anonymer Geheimdienstmitarbeiter Beschwerde bei einem internen Kontrollgremium eingereicht hatte. Den Demokraten zufolge nutzte Trump zeitweise blockierte Militärhilfe als Druckmittel.

"Botschafter Sondland ist zutiefst enttäuscht, dass er heute nicht aussagen kann", erklärte Sondlands Anwalt Robert Luskin. Sondland habe zuvor eingewilligt, freiwillig vor dem Kongress zu erscheinen. Vergangene Woche waren Textnachrichten unter anderem von Sondland veröffentlicht worden. Aus ihnen geht hervor, dass Sondland an Versuchen beteiligt war, die ukrainische Regierung zu einer Erklärung zu bringen, in der sie sich zu Ermittlungen unter anderem gegen den Gaskonzern Burisma verpflichtet hätte. Hunter Biden war bei Burisma tätig. Gegen die Firma war zeitweise wegen angeblich krummer Geschäfte ermittelt worden.

Trump beschuldigt Biden, sich als US-Vizepräsident um die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts bemüht zu haben, um seinen Sohn Hunter vor der Justiz zu schützen. Trump hat allerdings für keine seiner Anschuldigungen Belege vorgelegt. Die Demokraten treiben ihre Untersuchungen mit Druck voran. Sie hatten neben Sondland auch andere frühere und derzeitige Mitarbeiter des Außenministeriums vorgeladen. Zudem haben sie unter Strafanordnung Dokumente angefordert, darunter vom Weißen Haus, dem Außenministerium, dem Vizepräsidenten und dem Verteidigungsministerium. Angesichts der Blockade der Aussage von Sondland ist fraglich, ob die Regierung den Anfragen entsprechen wird. Sollte sie die Dokumente nicht herausgeben, droht wohl ein Rechtsstreit.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

Mehr zum Thema