Politik

Plötzlich am Verhandlungstisch Trump verteidigt Ivanka als Platzhalterin

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Ist Ivanka Trump die richtige Person, um ihren Vater zu vertreten?

(Foto: dpa)

Beim G20-Gipfel ersetzt Ivanka Trump ihren Vater am Verhandlungstisch, wenn der gerade anderes zu tun hat. In den USA sorgt das für Irritation - auch weil die First Daughter nach eigener Aussage gar nicht den Wunsch hegt, politisch mitzumischen.

Es ist ein Moment, der viele Amerikaner auf die Palme bringt: Beim G20-Gipfel in Hamburg nimmt America's First Daughter am Samstagmorgen bei Beratungen zur Entwicklungshilfe für Afrika auf dem Stuhl ihres Vaters Platz, als der US-Präsident gerade zu einem Gespräch hinter die Kulissen wechselt. "Ivanka Trump - ungewählt, unqualifiziert, Tochter vom Dienst - repräsentiert die Vereinigten Staaten bei den G20 neben May, Xi, Merkel", empört sich der frühere US-Kampagnenberater Brian Klaas auf Twitter. Andere folgen. "Wie zur Hölle kann das akzeptabel sein?", fragt ein Nutzer. "Ich würde von den wirklichen Führern erwarten, dass sie [Ivanka Trump] ignorieren."

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Tatsächlich ist es nicht unüblich, dass sich die Staats- und Regierungschefs während der G20-Beratungen hin und wieder zurückziehen, um etwa ein Vier-Augen-Gespräch zu führen. Sie reisen mit großen Delegationen an - und lassen sich in der Zeit ihrer Abwesenheit in der Regel durch einen Berater vertreten. "Wenn die anderen Führer aufstehen, nehmen ja auch andere ihren Platz ein", verteidigte ein Vertreter der Trump-Administration das Vorgehen des Präsidenten im US-Sender CNN. Dass ein Mitglied der First Family am Verhandlungstisch sitzt, sei nichts Ungebührliches - zumal Ivanka Trump ja nur kurz Platz genommen habe.

Michael McFaul war während der Amtszeit Barack Obamas US-Botschafter in Russland. Er kommentierte den Einsatz der 35-Jährigen beim Gipfel mit offenkundiger Irritation. "Das ist merkwürdig, sehr merkwürdig", twitterte er. Auch der frühere Sprecher von Hillary Clinton, Brian Fallon, griff den Vorfall auf und schrieb ironisch, dass die Republikaner "es bestimmt locker weggesteckt hätten, wenn Chelsea Clinton eingesetzt worden wäre, um die Pflichten des Staatsoberhauptes wahrzunehmen".

Trump: "Angela M stimmt mir zu!"

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Dass Ivanka Trump erst Ende Juni in einem Interview mit Fox News erklärt hatte, sie "versuche, sich aus der Politik rauszuhalten", haben ihre Kritiker nicht vergessen. Auch deshalb sah sich der Präsident nun offenbar gezwungen, die Debatte aufzugreifen - wie üblich über Twitter. "Wenn ich den Raum für kurze Meetings mit Japan und anderen Ländern verlassen musste, habe ich Ivanka gefragt, ob sie meinen Platz einnehmen kann", schrieb Trump am Montag. "Völlig normal. Angela M stimmt mir zu!"

Tatsächlich gab sich die Bundeskanzlerin auf Nachfrage sehr diplomatisch. "Die Delegationen entscheiden selbst", wer für den Präsidenten einspringe, zitierte CNN die Gipfel-Gastgeberin. "Ivanka Trump ist Teil der amerikanischen Delegation. [...] Und es ist bekannt, dass sie im Weißen Haus arbeitet und sich sehr für bestimmte Initiativen engagiert." Ihr Einsatz als Vertreterin ihres Vaters sei also nicht ungewöhnlich.

Debatte um Interessenkonflikt

Trotzdem sorgt die Rolle der 35-jährigen Präsidententochter in den USA immer wieder für Kontroverse. Im vergangenen März hatte Trump sie als Beraterin ins Weiße Haus geholt - allerdings unbezahlt, weil Ivanka Trump nach wie vor ihr eigenes Mode- und Schmucklabel vertreibt, und das durchaus gewinnbringend. Kritiker werfen ihr seither vor, sie nutze die Kontakte ihres Vaters für die eigenen unternehmerischen Interessen aus. Sie selbst bestreitet vehement einen Interessenkonflikt.

Der US-Präsident tat die Vorwürfe derweil als neuerlichen Angriff der Medien ab. "Wenn Chelsea Clinton gebeten worden wäre, den Platz ihrer Mutter einzunehmen, während ihre Mutter unser Land verrät, hätten die Fake News gesagt: CHELSEA FOR PRES(IDENT)!" Die Antwort der früheren First Daughter unter Bill und Hillary Clinton folgte prompt. "Guten Morgen, Mr. President, es wäre niemals passiert, dass meine Mutter oder mein Vater mich darum gebeten hätten", schrieb die 37-Jährige auf Twitter - und nutzte die Gelegenheit für eine Retourkutsche. "Haben Sie denn Ihr Land verraten? Ich hoffe nicht."

Quelle: n-tv.de, jug