Politik

Nach Einigung über Truppenabzug Trump will sich mit Taliban-Führung treffen

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"In nicht so ferner Zukunft" will sich Trump mit den Führern der Taliban treffen.

(Foto: REUTERS)

Vertreter der USA und der Taliban schließen in Katar ein Abkommen über den Truppenabzug der Amerikaner in Afghanistan. Kaum ist die Tinte unter der Einigung trocken, sorgt US-Präsident Trump für eine Überraschung. Er will die Führer der islamistischen Miliz bald persönlich kennenlernen.

US-Präsident Donald Trump will sich mit führenden Vertretern der radikalislamischen Taliban treffen. Dies werde "in nicht so ferner Zukunft" geschehen, sagte Trump wenige Stunden nach der Unterzeichnung eines historischen Abkommens, das den Weg für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan ebnen soll. Zugleich schränkte er in Bezug auf den geplanten US-Truppenrückzug ein: "Sollten schlimme Dinge passieren, werden wir zurückkehren."

Das Abkommen sieht vor, dass die USA über die kommenden Monate ihre Truppenstärke in Afghanistan zunächst von rund 13.000 auf 8600 reduzieren. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien abgeben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen sowie Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung in Kabul beginnen.

In einer gemeinsamen Erklärung der USA und der afghanischen Regierung in Kabul hieß es, der erste US-Truppenabzug bis auf eine Stärke von 8600 Soldaten solle binnen 135 Tagen erfolgen. Sollten sich die Taliban an das Abkommen von Doha halten, wollen die USA und ihre Verbündeten demnach binnen 14 Monate alle Truppen aus Afghanistan abziehen.

Verhandlungen zwischen Kabul und Taliban im März

US-Außenminister Pompeo mahnte die Taliban, "ihre Versprechen zu halten" und mit Al-Kaida zu brechen. Sollte die radikalislamische Miliz ihre Zusagen halten und auch mit der afghanischen Regierung verhandeln, sei die internationale Gemeinschaft zu weiteren "Gesten" bereit.

Laut dem Abkommen sollen die Gespräche zwischen der Regierung in Kabul und den radikalislamischen Taliban am 10. März beginnen. Als vertrauensbildende Maßnahme sieht es bereits vorher einen gegenseitigen Gefangenenaustausch vor. Demnach sollen bis zum 10. März "bis zu 5000 Taliban-Gefangene und 1000 Gefangene der anderen Seite" - der von Washington unterstützten afghanischen Kräfte - freikommen.

Verhandlungen liefen rund eineinhalb Jahre

Die Taliban weigerten sich bisher, mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani zu verhandeln, den sie als Marionette Washingtons betrachten. An den Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban nahmen ebenso wie an der Unterzeichnung des Abkommens in Doha keine Vertreter der Regierung in Kabul teil. Allerdings sollte eine Regierungsdelegation die Gelegenheit zu "ersten Kontakten" mit dem Verbindungsbüro der Aufständischen in Katar nutzen.

Mit Ghani in Kabul trafen sich im Tagesverlauf Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Verteidigungsminister Mark Esper. Während Stoltenberg das Abkommen von Doha als "ersten Schritt zu einem dauerhaften Frieden" begrüßte, warnte Esper, die USA könnten das Abkommen jederzeit wieder "annullieren", sollten sich die Taliban nicht an ihre Zusagen halten.

Die Gespräche zwischen den Taliban und den US-Gesandten dauerten offiziell rund eineinhalb Jahre. Sie standen schon einmal vor einem Durchbruch - bis US-Präsident Donald Trump sie wegen der anhaltenden Taliban-Anschläge in Afghanistan im vergangenen September für "tot" erklärte. Im Dezember wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Das Ende des mit mehr als 18 Jahren längsten Krieges in der US-Geschichte ist ein Wahlversprechen Trumps.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP